Wie man Kartoffelzikaden im Garten erkennt und bekämpft
Mit den wärmeren Jahreszeiten steigt die Gefahr durch Schädlinge im Garten. Immer mehr Menschen bauen Lebensmittel für sich und ihre Familien an – und damit wächst auch der Bedarf an effektiven Methoden zur Schädlingsprävention. Zu den beliebten Gartenpflanzen zählen Kartoffeln. Sie sind nicht nur vielseitig in der Küche, sondern liefern mit wenig Aufwand eine reichhaltige Ernte.
Ein Schädling, der besonders Kartoffelpflanzen und weitere wichtige Kulturpflanzen bedroht, ist die Kartoffelzikade. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Kartoffelzikaden sind, wie Sie einen Befall erkennen und wie Sie diesen effektiv bekämpfen können.
Was sind Kartoffelzikaden?
Die Kartoffelzikade (wissenschaftlich Empoasca fabae) ist ein weit verbreiteter Schädling, der eine Vielzahl von Nutzpflanzen angreift – vor allem Kartoffeln, Bohnen, Erdbeeren, Auberginen, Klee und Äpfel. Besonders der Luzerneanbau leidet unter den hohen wirtschaftlichen Schäden, die durch die Kartoffelzikade verursacht werden, was ein großes Problem für kommerzielle Landwirte darstellt.
In Nordamerika gilt die Kartoffelzikade als bedeutende Bedrohung für den Kartoffelanbau. Die ausgewachsenen Tiere schlüpfen im Frühling aus ihren Winterquartieren, meist in Gräsern, Unkraut und Pflanzenresten.
Die knapp 3 mm großen Insekten haben einen hellgrünen bis leuchtend gelben Kopf und Beine. Ihr Körper ist vorne breit und verjüngt sich in keilförmiger Form zum Hinterteil. Erwachsene Kartoffelzikaden tragen etwa acht reine weiße Punkte auf dem Prothorax (dem ersten Körpersegment).
Die namensgebende Fähigkeit dieser Insekten ist ihr ausgeprägtes Springvermögen: Mit kräftigen Hinterbeinen springen sie von Pflanze zu Pflanze. Sobald sie ausgewachsen sind, saugen sie Pflanzensaft mit nadelartigen Mundwerkzeugen und schwächen somit die Pflanzen nachhaltig.
Lebenszyklus der Kartoffelzikade
Das Verständnis des Lebenszyklus ist entscheidend für eine wirkungsvolle Bekämpfung. Zwischen Ei und ausgewachsenem Insekt durchläuft die Kartoffelzikade drei Entwicklungsphasen in zwei bis drei Wochen und kann während der Vegetationsperiode drei bis fünf Generationen hervorbringen.
1. Ei-Stadium
Die Weibchen legen ihre winzigen, blassfarbigen Eier in die Blattadern der Wirtspflanzen. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen die Larven.
2. Nymphen-Stadium
Die frisch geschlüpften Nymphen ähneln den erwachsenen Zikaden, sind jedoch noch flügellos und kriechen statt zu fliegen. Die Nymphen besitzen giftigen Speichel, der beim Saugen Pflanzen infiziert und schwächt. Während fünf sogenannter Häutungen wachsen sie und entwickeln schließlich Flügel.
3. Adult-Stadium
Ausgewachsene Zikaden beginnen sofort, Leben zu infizieren und Eier auf der Blattunterseite abzulegen. Jedes Weibchen lebt etwa einen Monat, legt täglich Eier und kann bis zu 300 Nachkommen erzeugen.
Merkmale und Lebensraum
Die Kartoffelzikade vermehrt sich bei warmem und trockenem Wetter rasant. Sie versammelt sich zahlreich auf der Blattunterseite, wo sie vor Fressfeinden geschützt ist. Da sie keine kalten Temperaturen verträgt, wandert sie je nach Jahreszeit – sie nutzt Wind, Flügel und Menschentransport, um neue Pflanzen zu befallen.
Besonders Luzernefelder sind nach mehrmaligem Mähen gefährdet, da die Pflanzen durch den Schnitt bestimmte chemische Veränderungen zeigen, die Zikaden anlocken. Hochrisikoperioden sind Juni bis Mitte Juli.
Symptome eines Kartoffelzikaden-Befalls
Verfärbungen des Laubes
Die Kartoffelzikade saugt Pflanzensaft ab, wodurch die Pflanzen stark an Nährstoffen verlieren. Typisch sind sogenannte „Hopperburn“-Schäden: verbrannte, braune Blattspitzen, gelbliche Blattfärbung sowie gefäßartige Zusammenbrüche der Hauptadern infolge toxischer Substanzen.
Anwesenheit der Schädlinge
Bei einem Befall sieht man oft viele Zikaden direkt an den Pflanzen. Sie sind sehr gesellig und vermehren sich rasch.
Verzerrungen im Pflanzenwachstum
Extremer Nährstoffmangel führt zu gekräuseltem und sterbendem Laub, was die Photosynthese behindert und die Ernte stark mindert.
7-Schritte Anleitung zur Bekämpfung von Kartoffelzikaden
Dank ihrer schnellen Vermehrung und Mobilität ist bei Befall schnelles Handeln wichtig. Mit einer Kombination aus Maßnahmen lässt sich die Population eindämmen.
Schritt 1: Regelmäßige Kontrolle
Vom frühen Frühling bis zum Herbst sollten Sie Ihre Pflanzen regelmäßig auf Eier und Zikaden absuchen. Besonders in warmen Herbstregionen ist dies essenziell.
Schritt 2: Physikalischer Schutz
Nutzen Sie Schutzmaßnahmen wie luftdurchlässige Abdeckungen („Floating Row Covers“) oder kleine Glocken (Glockenkloche), um Pflanzen vor den Schädlingen zu bewahren. Kalthäuser bieten ebenfalls Schutz, müssen aber an warmen Tagen geöffnet werden.
Schritt 3: Sauberkeit im Garten
Entfernen Sie regelmäßig abgestorbene Pflanzenteile und Unkraut, um Überwinterungsplätze der Zikaden zu beseitigen. Achten Sie bei der Umstellung von Pflanzen auf mögliche Infektionen.
Schritt 4: Natürliche und chemische Mittel
Präferieren Sie zuerst natürliche Mittel wie Neemöl oder Kieselgur, da diese die Zikaden abtöten, ohne Nützlinge zu schädigen. Bei starkem Befall sind insektizide Sprays wie Sevin, insektizide Seife, Pyrethrine oder erneutes Neemöl anzuwenden. Besprühen Sie auch Blattunterseiten und Stiele gründlich.
Schritt 5: Fruchtfolge einhalten
Vermeiden Sie das wiederholte Anpflanzen anfälliger Pflanzenarten am selben Standort, um den Zyklus der Kartoffelzikade zu durchbrechen.
Schritt 6: Förderung natürlicher Feinde
Unterstützen Sie Vögel, Spinnen und parasitäre Wespen als natürliche Gegenspieler der Kartoffelzikaden. Alternativ kann man auch Marienkäfer, Florfliegen oder Raubwanzen gezielt einbringen.
Schritt 7: Stärkung der Pflanzen
Gesunde und gut gepflegte Pflanzen sind widerstandsfähiger. Eine ausgewogene Wasserversorgung und Nährstoffzufuhr gemäß den jeweiligen Anbauempfehlungen verbessern die Abwehrkraft der Kulturen.
Fazit
Die Kartoffelzikade zählt zu den hartnäckigen Schädlingen, die bei unkontrolliertem Wachstum erhebliche Ernteschäden verursachen können. Mit einem gezielten Monitoring, präventiven Schutzmaßnahmen und einer Kombination aus biologischer und gegebenenfalls chemischer Bekämpfung können Hobbygärtner und Landwirte ihre Kulturen wirkungsvoll schützen. Gesunde Pflanzen, gute Gartenhygiene sowie das Einbinden natürlicher Fressfeinde sind entscheidende Bausteine in der nachhaltigen Schadbekämpfung.
