Alles über Holzbienen: Sollten Sie sie in Ihrem Garten dulden?
Was sind Holzbienen?
Holzbienen sind solitary lebende, langrüsselige Bienenarten, die nahezu weltweit vorkommen – mit Ausnahme der Arktis und Antarktis. Sie gehören zur Gattung Xylocopa innerhalb der Unterfamilie Xylocopinae. Ihren Namen verdanken sie ihrem Verhalten, Nester in totem Holz anzulegen. Holzbienen nagen sich in abgestorbene Bäume, Holzbohlen (zum Beispiel in Scheunen oder Terrassen) und Baumstümpfe hinein und schaffen dort ihre Tunnelsysteme.
Falls Sie an Ihrem Grundstück tunnelförmige Löcher in Holzstrukturen finden, oft umgeben von feinen Sägespänen, haben Sie es wahrscheinlich mit Holzbienen zu tun. Sie ähneln Hummeln, sind jedoch schlanker und ihr Thorax (oberer Körperabschnitt) ist der einzige Film eines feinen Fells bedeckt.
In Nordamerika sind die häufigsten Arten:
- Östliche Holzbiene (Xylocopa virginica) – verbreitet in Mittel- und Ostkanada und USA, von Newfoundland bis Manitoba, südlich bis Kansas und Virginia
- Südliche Holzbiene (Xylocopa micans) – zentral- und südlich entlang der Küstenregionen von North Carolina bis Guatemala
- Berg-Holzbiene (Xylocopa tabaniformis orpifex) – in ganz Nord-, Mittel- und Südamerika verbreitet
- Kalifornische Holzbiene (Xylocopa californica) – von Vancouver bis Nordmexiko im Pazifik-Nordwesten zu finden
- Tal-Holzbiene (Xylocopa sonorina) – im amerikanischen Südwesten sowie auf Hawaii und anderen Pazifikinseln verbreitet
Warum gelten Holzbienen als problematisch?
Holzbienen leben ausschließlich in Holznestern, was bedeutet, dass jede Holzstruktur auf Ihrem Grundstück potenzielles Nestbaugebiet darstellt – sei es Scheunen, Schuppen, Hausverkleidungen, Terrassen oder sogar Hochbeete. Einzelne Bohrlöcher verursachen meist keinen größeren Schaden, aber wiederholtes Nagen kann langfristig die Holzstruktur schwächen.
Weiterhin werden Holzbienen oft mit aggressiveren Bienen oder Wespen verwechselt, was viele Menschen ängstigt. Tatsächlich sind die Männchen die geselligeren Flieger, die oft vor den Nistplätzen patrouillieren. Sie besitzen keinen Stachel und können daher auch nicht stechen. Die Weibchen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen.
Zudem gelten Holzbienen manchmal als weniger wertvoll, da sie keinen Honig produzieren – was sie allerdings als wichtige Wildbestäuber keineswegs weniger essentiell macht.
Wie kann man Holzbienen auf schonende Weise vertreiben?
Da Holzbienen wichtige Bestäuber sind und insbesondere vor dem Hintergrund globaler Bienenrückgänge eine wertvolle Rolle im Ökosystem spielen, sollten Sie auf nicht-toxische Methoden zurückgreifen, wenn eine Vertreibung nötig ist. Hier einige erprobte Ansätze:
Zitrusöl-Spray herstellen und anwenden
Holzbienen mögen den Geruch von Zitrusölen nicht. Das enthaltene Limonen wirkt sogar als Kontaktinsektizid. Die Bienen verfügen über Geschmacksrezeptoren an ihren Vorderfüßen, die sie bei Berührung mit Zitrusölen abstoßen.
Für einen wirkungsvollen, ungiftigen Spray mischen Sie:
- 2 Tassen Wasser
- ¼ Tasse weißen Essig
- 40–50 Tropfen ätherisches Zitrusöl (Zitrone, Orange, Grapefruit, Zitronengras oder Citronella eignen sich besonders gut)
Füllen Sie die Mischung in eine Sprühflasche und besprühen Sie damit großzügig alle Holzstellen, an denen Holzbienen nisten oder gebohrt haben. Achten Sie darauf, auch in die Bohrlöcher zu sprühen.
Spritziger Tipp: Nutzen Sie den Zitrusöl-Spray auch als vorbeugende Maßnahme im frühen Frühling vor der Aktivitätszeit der Bienen.
Nistplätze umlenken
Ist das Einölen allein nicht ausreichend, weil Holzbienen bereits lange Ansprüche auf Ihre Holzflächen erheben, lassen sich Nistplätze oftmals durch Verlagerung oder anbieten attraktiverer Alternativen umlenken.
So können Sie alte, beschädigte Bretter gegen neue, versiegelte Bretter austauschen und die alten als neue Nist-„Appartements“ an einem unkritischen Ort aufstellen.
Als Ködermaterial eignen sich unbehandelte Zedern- oder Kiefernholzbretter, die Sie dort bereitstellen, wo Sie die Bienen ansiedeln möchten, während Sie die ursprünglichen Nester regelmäßig mit dem Zitrusöl-Spray bearbeiten.
Wie zieht man Holzbienen an, wenn man sie fördern möchte?
Möchten Sie Holzbienen im Garten ansiedeln, locken Sie sie am besten mit den Lieblingsblumen der Wildbienen. Sie bevorzugen häufig Pollen und Nektar aus einheimischen und verwandten Pflanzenarten der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Besonders geeignet sind:
- Lavendel (Lavandula spp.)
- Thymian (Thymus spp.)
- Oregano (Origanum vulgare)
- Salbei (Salvia spp.)
- Bienenbalsam (Monarda spp.)
Darüber hinaus schätzen Holzbienen auch Taglilien (Hemerocallis spp.) und Klatschmohn (Papaver rhoeas).
Informieren Sie sich am besten, welche dieser Pflanzen in Ihrer Region heimisch sind, und pflanzen Sie sie gezielt. Ergänzende exotische Arten können das Nahrungsangebot weiter bereichern.
Gründe, Holzbienen zu dulden – oder auch nicht
Pro: Unverzichtbare Bestäuber für Garten und Landwirtschaft
Als „Buzz“-Bestäuber schütteln Holzbienen ihren Schwanz bei der Blütenbesuchspollination, um Pollen zu lösen und effizient auf weibliche Blütenteile zu übertragen. Mindestens 15 % aller Kulturpflanzen, darunter Auberginen, Tomaten, Paprika, Blaubeeren und Passionsblumen, profitieren von ihrer Bestäubung.
Pro: Robuste Wetterbestäuber
Im Gegensatz zu vielen anderen Bienen sind Holzbienen wetterfest und bestäuben auch bei Wind und leichtem Regen zuverlässig weiter.
Contra: Bauliche Schäden durch Nester
Löcher in Holzbrettern können langfristig Holz verformen, feuchtigkeitsbedingte Schäden fördern und die Statik von tragenden Bauteilen beeinträchtigen. Die Folge können kostspielige Reparaturen sein.
Contra: Unfallrisiko bei Allergikern
Obwohl Weibchen nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen, birgt der Kontakt für Menschen mit Bienengiftallergie ein ernstes Risiko. Bei starker Allergie sollten Sie eine professionelle Schädlingsbekämpfung in Erwägung ziehen, um gesundheitliche Gefahren zu minimieren.
Fazit
Holzbienen sind einerseits faszinierende, wichtige Wildbienen, die viele Garten- und Nutzpflanzen bestäuben. Andererseits ist ihr Nistverhalten für Holzstrukturen manchmal problematisch. Mit gezielten Maßnahmen lassen sich Konflikte minimieren, ohne die Bienenpopulation zu gefährden. Ob man Holzbienen als nützliche Gartenhelfer willkommen heißt oder sie eher umquartiert, bleibt eine individuelle Entscheidung, die von den örtlichen Gegebenheiten und persönlichen Vorlieben abhängt.
