Wie man Bäume und Sträucher als Spalier zieht – So maximieren Sie Ihren Anbauplatz
Die Spalier-Technik ist eine bewährte Methode, um Obstbäume effizient auf kleinem Raum anzubauen. Dabei werden die Äste gezielt gegen eine Wand oder einen Zaun gezogen und flach geführt, anstatt nach außen zu wachsen. Diese Technik eignet sich nicht nur für Obstbäume, sondern auch für verschiedene Sträucher, um Sichtschutzwände oder dekorative Blickfänge zu schaffen.
Was ist die Spalier-Technik?
Im Kern handelt es sich beim Spalier darum, Äste von Obstbäumen oder Sträuchern durch gezieltes Beschneiden und Anbinden an ein Gestell in einer Ebene wachsen zu lassen. Dies geschieht meist an einem vertikalen Untergrund wie einer Mauer, einem Zaun oder einem Rankgitter.
Der Vorteil dieser Methode liegt in der optimalen Nutzung des Anbauplatzes. Besonders in kleineren Gärten oder urbanen Bereichen ermöglicht die Spalier-Technik die effektive Kultivierung von Früchten. In gemäßigten Klimazonen lässt sich dadurch außerdem die Wachstumszeit verlängern, weil Wärmereflexionen an der Wand die Pflanzen zusätzlich erwärmen.
Der Begriff „Spalier“ stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Schulterstütze“. Damit ist gemeint, dass die Äste sich beim Wachsen an die Halterungen anlehnen.
Welche Baumarten eignen sich für das Spalier?
Die Spalier-Technik eignet sich besonders gut für robuste Holzarten, die sich gut beschneiden und formen lassen. Die beliebtesten Arten sind:
- Apfelbäume (inklusive Zieräpfel)
- Birnen
- Zitrusfrüchte (Orange, Zitrone, Limette)
- Olivenbäume
- Pfirsiche
- Nektarinen
- Feigen
- Pflaumen
Auch Ziergehölze wie Japanischer Ahorn, Trompetenbaum, Forsythie oder Jasmin können als Spalier kultiviert werden.
Materialliste für Ihr Spalier
- Stabiler, vertikaler Untergrund (Wall oder Zaun)
- Augenschrauben oder Wandhalterungen (inkl. Dübel bei Bedarf)
- Elastische Pflanzenbinder oder Strumpfhose
- Bäume mit einer Höhe von 2 bis 3 Fuß (ca. 60–90 cm)
- Spaten
- Kompost
- Astschere
- Maßband
- Kreide oder Bleistift
- Bohrmaschine mit passendem Bohrer
- 12 Gauge Stahldraht (ca. 9 bis 12 Meter)
- Zange und Drahtschneider
- Arbeitshandschuhe
- Scharfes, sterilisiertes Messer
Anleitung: So ziehen Sie einen Obstbaum als Spalier
Schritt 1: Vorbereiten und Einmessen der Wand oder des Zauns
Wählen Sie zuerst die Wand oder den Zaun für Ihren Baum aus. Wenn Sie in einer kühleren Klimazone leben, empfiehlt es sich, die Wand weiß zu streichen, um Licht und Wärme besser reflektieren zu lassen.
Nutzen Sie Kreide oder Bleistift, um das Gerüst auf der Wand aufzuzeichnen. Für ein einfaches Spalier messen Sie eine vertikale Linie in der geplanten Höhe des Baumes (meist 1,80 bis 2,40 Meter). Ab etwa 40 cm von unten markieren Sie die erste horizontale Ebene für die Äste, dann weitere horizontale Linien im Abstand von jeweils ca. 40 cm.
Messen Sie von der Stammlinie aus jeweils ca. 1 Meter nach rechts und links, um die max. Ausbreitung der Äste zu bestimmen. Dieses Raster bildet Ihre Orientierung für das spätere Anbinden der Äste.
Schritt 2: Dübel und Drähte anbringen
Bohrlöcher für Augenschrauben setzen Sie an den Schnittpunkten der vertikalen und horizontalen Linien. Beginnen Sie knapp über Bodenhöhe, dann alle ca. 40 cm nach oben.
Spannen Sie mit dem 12-Gauge-Draht eine senkrechte Leitlinie entlang der vertikalen Befestigungen. Jeweils auch die horizontalen Linien gespannt befestigen, die als Haltegriffe für die Äste dienen.
Ziehen Sie die Drähte straff und sichern Sie die Enden gut mit Zange und Drahtschneider.
Schritt 3: Bäume pflanzen
Kaufen Sie junge Bäume mit etwa 90 bis 120 cm Höhe, vorzugsweise in einer Baumschule oder als wurzelnackte Pflanzen online. Die Pflanzzeit hängt von der Baumart ab – in gemäßigten Zonen ist Frühling nach dem letzten Frost optimal.
Pflanzen Sie die Bäume etwa 15 bis 30 cm von der Wand entfernt, um ausreichend Wurzelraum und Luftzirkulation zu gewährleisten.
Graben Sie ein Loch ca. 35 cm tief und breit, mischen Sie die Erde mit Kompost und setzen Sie den Baum ein. Gut andrücken und eingießen.
Schritt 4: Baumerziehung mit der Spalier-Technik
Binden Sie den Baumstamm mit einem elastischen Pflanzenbinder am senkrechten Draht fest. Ist der Baum höher als die erste horizontale Drahtlinie, schneiden Sie die Spitze oberhalb dieser Linie ab („Kopfen“), damit Seitentriebe wachsen.
Wenn Seitentriebe ca. 12 cm lang sind, biegen Sie je einen nach links und rechts und binden diese an die waagrechten Drähte fest. In der Mitte wächst ein zentraler Trieb weiter senkrecht nach oben.
Entfernen Sie alle Seitentriebe bis auf die drei kräftigsten. Das Kopfen des zentralen Triebs behalten Sie bei, bis die seitlichen Äste mindestens 60 cm auf jeder Seite wachsen. Danach wächst der mittlere Trieb bis zur nächsten horizontalen Ebene und der Vorgang wiederholt sich.
Schritt 5: Pflege und Schnitt
Der beste Zeitpunkt zum Schneiden ist in der Regel nach der Blüte im Frühling, weil sich hier die Fruchtknospen bilden. Schneiden Sie regelmäßig, um die Form zu erhalten und die Äste nicht zu lang werden zu lassen.
Versorgen Sie Ihre Bäume mit passendem Dünger und achten Sie auf Krankheiten oder Schädlinge. Die Pflanzbindung sollten Sie mitwachsen lassen und regelmäßig anpassen, damit die Äste gesund wachsen.
Auch ältere Bäume müssen noch an Draht oder Gestell befestigt bleiben, damit das Spalier seine Form behält.
Fazit: Spalier-Bäume als platzsparende und dekorative Lösung
Mit der Spalier-Technik lassen sich Obstbäume und Sträucher optimal platzsparend kultivieren. Neben der ästhetischen Wirkung profitieren Sie von einer verlängerten Erntezeit und einer leichteren Pflege. Egal ob Apfel, Birne oder Feige – mit der richtigen Vorbereitung und Pflege wird Ihr Spalier zu einem wahren Blickfang und bietet reichlich köstliches Obst.
