Wie man Blumen züchtet: 5 beliebte Blumen zum Züchten für Gartenfreunde
Die Natur erschafft nicht nur beeindruckende Pflanzen, Blumen und Lebewesen, sondern gibt ihnen auch Aufgaben und Anweisungen zur Fortpflanzung und Ausbreitung. Als Menschen können wir diese Rolle übernehmen und Blumen selbst züchten. Über Jahrzehnte hinweg haben Experten die natürlichen Prozesse studiert, um neue Pflanzen zu schaffen, bessere Sorten zu entwickeln und bestimmte Eigenschaften gezielt zu fördern.
Wenn Sie lernen möchten, wie man Blumen züchtet, stellen wir Ihnen hier fünf beliebte Blumenarten vor, die sowohl für Hobbygärtner als auch Pflanzenliebhaber geeignet sind, um neue und verbesserte Pflanzen zu kreieren.
Wichtige Begriffe zur Blumenzucht
Bevor wir starten, ist es hilfreich, einige Blumenterminologien zu kennen. Nicht jede Blume besitzt alle beschriebenen Bestandteile, doch die meisten schon:
- Blütenstiel (Pedunkel): Der Stiel, der die Blüte trägt.
- Blütenboden (Rezeptakulum): Der verdickte Teil am Stiel, an dem die Blüte sitzt.
- Kelchblätter (Sepalen): Blattähnliche Strukturen an der Basis einer Blüte.
- Blütenblätter (Petalen): Meist farbige Blätter, die die Blüte umgeben.
- Staubblatt (Filament + Antheren): Staubblätter setzen den Blütenstaub (Pollen) frei und bestehen aus einem dünnen Stiel (Filament) mit der pollenhaltigen Spitze (Anthere).
- Fruchtblatt (Stempel mit Griffel, Narbe und Fruchtknoten): Das weibliche Organ, das die Narbe besitzt, auf welche der Pollen gelangen muss.
Die Befruchtung erfolgt, wenn Pollen vom Staubblatt zur Narbe transportiert wird. Dies übernehmen oft Insekten wie Bienen oder auch der Wind. Selbstbefruchtende Pflanzen benötigen keinen Fremdpollen, oft reicht ein leichter Wind.
Was ist Pflanzenbestäubung?
Die Bestäubung beschreibt den Vorgang, bei dem Pollen von den Antheren einer Blüte auf die Narbe einer anderen (oder derselben) Blüte übertragen wird und die Samenzellbildung in Gang bringt. Daraus entsteht der Samen, welcher eine neue Pflanze hervorbringt.
Man unterscheidet folgende Bestäubungsarten:
- Offene Bestäubung: Pollen wird durch Wind, Insekten oder andere Tiere von einer Pflanze zur anderen transportiert.
- Selbstbestäubung: Eine Pflanze befruchtet sich selbst ohne fremden Pollen.
- Kreuzbestäubung: Pollen einer Pflanze befruchtet die Blüte einer anderen Pflanze derselben Art oder Familie.
Nur Pflanzen derselben Familie können sich erfolgreich bestäuben. Beim Züchten bezeichnet man die beiden Pflanzen als „Vater“ (Pollenlieferant) und „Mutter“ (Pflanze, die den Samen trägt und Wachstum beeinflusst).
1. Rosen züchten
Rosen sind besonders beliebt in USDA-Pflanzzonen 6-8, einige Sorten vertragen sogar den Winter bis Zone 3 (z. B. Rosa acicularis oder Dr. Griffith Bucks ‘Prairie Joy’). Zuchtprogramme entwickeln zunehmend robuste, frostharte und krankheitsresistente Sorten, oft mit besonderen Farben oder Eigenschaften.
Zubereitungsschritte für die Rosen-Zucht:
- Wählen Sie halb geöffnete Blüten aus. Geschlossene Blüten enthalten meist noch keinen reifen Pollen, zu offene sind möglicherweise schon vertrocknet.
- Schneiden Sie die „Vater“-Blüte ab und entfernen Sie vorsichtig die mittleren Blütenblätter, um zu den Staubblättern zu gelangen.
- Mit einer Pinzette entnehmen Sie die Antheren und lagern sie in einem geschlossenen Behälter an einem kühlen, trockenen Ort für 24 Stunden, damit der Pollen sich lockert.
- Von der Mutterpflanze entfernen Sie die Blütenblätter, um den Stempel freizulegen, wischen eventuell vorhandenen Fremdpollen ab und warten acht Stunden.
- Tragen Sie den Pollen mit einem sauberen Finger auf die Narbe der Mutterpflanze auf. Wiederholen Sie dies zweimal im Abstand von acht Stunden. Danach folgt eine letzte Applikation und anschließend eine Ruhezeit von 24 Stunden.
- Warten Sie, bis sich eine Hagebutte bildet – der Fruchtkörper der Rose. Ideal ist ein kräftig oranges oder rotes Fruchtkörperfärbung vor der Ernte.
- Schneiden Sie die Hagebutte oben und unten ab und öffnen Sie sie vorsichtig, um die Samen zu entnehmen.
- Rosenkerne benötigen eine Kaltstratifikation zum Keimen. Beginnen Sie diesen Prozess am besten im Herbst. In wärmeren Regionen die Samen in ein feuchtes Papiertuch in einem luftdichten Beutel für 6-8 Wochen im Kühlschrank lagern.
- Die Keimlinge werden in spezieller Anzuchterde gezogen und später nach dem letzten Frost ins Freie gepflanzt.
2. Phalaenopsis-Orchideen züchten
Orchideen eignen sich besonders für begrenzte Räume oder als Indoor-Pflanzen und erfordern etwas Erfahrung. Die Zucht erfordert sterile Bedingungen (Flaschenanzucht), ist aber für ambitionierte Pflanzenfreunde spannend.
So züchten Sie Phalaenopsis-Orchideen:
- Wählen Sie gesunde Elternpflanzen aus.
- Entfernen Sie mithilfe einer sauberen Pinzette oder einem Zahnstocher die Staubbeutelkappe am Vaterpflanze und legen Sie die Pollensäcke frei.
- Platzieren Sie die Pollensäcke vorsichtig unter die Staubbeutelkappe der Mutterpflanze, hinter den sogenannten Pollinien (gehörnte Strukturen), sodass der Pollen an der Narbe anhaftet.
- Ist die Blüte verwelkt und die Samenkapsel geschwollen, war die Kreuzbestäubung erfolgreich.
- Die Samen entwickeln sich über sechs bis acht Monate.
- Orchideensamen benötigen ein spezielles Agar-Nährmedium und sterile Bedingungen zum Keimen (Flaschenanzucht). Dies erfolgt idealerweise in einem Labor oder zu Hause mit entsprechender Ausrüstung.
- Nach der Keimung sind die Jungpflanzen erneut zu flaschen, bis sie Wurzeln bilden und in spezielle Orchideenerde oder Sphagnum-Moos umgesetzt werden können.
3. Amaryllis züchten
Die Amaryllis ist eine beliebte Herbstblume, die sich leicht züchten lässt. Sie ist selbstfruchtbar und eignet sich für USDA-Zonen 8-10, aber auch als Zimmerpflanze.
Anleitung zur Amaryllis-Zucht:
- Wählen Sie eine oder zwei Pflanzen aus.
- Nehmen Sie den Pollen des Vaterpflanze, wenn die Narbe der Mutterpflanze sich in drei Teile öffnet, und tragen Sie ihn mit einem Pinsel oder direkt mit dem Staubblatt auf die Narbe auf.
- Wiederholen Sie den Vorgang täglich drei Tage lang.
- Nach sechs bis sieben Wochen bilden sich Samenkapseln an der Blütenbasis (dem Blütensitz).
- Nach dem Abfallen der Blütenblätter öffnen Sie die Kapsel und ernten die Samen.
- Trocknen Sie die Samen drei bis sieben Tage bei Raumtemperatur, bevor sie ausgesät oder gelagert werden. Amaryllissamen verlieren schnell an Keimfähigkeit, lagern Sie sie deshalb nach dem Trocknen kühl.
- Keimen lassen sich die Samen entweder schwimmend in Wasser für drei Wochen oder in feuchter Anzuchterde (ca. drei Wochen Keimdauer).
- Pflanzen Sie die Keimlinge in hochwertige Blumenerde und versorgen Sie sie regelmäßig mit wasserlöslichem Dünger.
- Die Jungpflanzen können früh im Herbst, zu Beginn ihres Wachstumszyklus, ins Freiland umgesetzt werden.
4. Petunien züchten
Petunien eignen sich hervorragend für Beete und Kübel und bieten eine große Vielfalt an Farben. Sie gehören zur Nachtschattengewächsfamilie (Solanaceae) mit etwa 35 Arten und werden oft als einjährige Pflanzen behandelt.
Petunien selbst züchten – so geht’s:
- Wählen Sie gesunde Mutter- und Vaterpflanzen.
- Entfernen Sie mit einer Pinzette die Antheren vom Vater und reiben Sie diese vorsichtig auf die Narbe der Mutterpflanze, sodass der Pollen haften bleibt.
- Es wächst eine kegelförmige Samenkapsel heran. Warten Sie, bis diese reif ist, ernten und lagern Sie die Samen in einem luftdichten Behälter im Kühlschrank, idealerweise in Backpapier oder Aluminiumfolie mit Silica-Gel gegen Feuchtigkeit.
- Säen Sie die Samen acht bis zehn Wochen vor dem letzten Frost aus, da Petunien Vorlaufzeit bis zur Blüte benötigen.
- Nach der Aussaat bedecken Sie die Samen mit Klarsichtfolie oder einem Mini-Gewächshaus und stellen die Töpfe an einen warmen, sonnigen Ort.
- Die Keimung dauert circa eine Woche bis zehn Tage. Entfernen Sie dann die Abdeckung.
- Halten Sie die Erde feucht und pikieren Sie die Pflanzen nach dem letzten Frost ins Freiland oder größere Gefäße.
5. Bart-Iris züchten
Die Irisfamilie umfasst etwa 300 Arten, die sich gut für die Kreuzbestäubung eignen. Bart-Iris sind winterhart in den USDA-Zonen 3-9 und gelten als gute Einstiegsblumen für Anfänger in der Blumenzucht.
So funktioniert die Zucht von Bart-Iris:
- Identifizieren Sie Vater- und Mutterpflanze.
- Entfernen Sie die Antheren der Vaterpflanze mit einer Pinzette und reiben Sie den Pollen auf die drei stigmaträgigen Lippen der Mutterpflanze, sobald die Blüte geöffnet ist, um Insektenbefall zu vermeiden.
- Ein Anschwellen der Samenkapseln hinter den Blütenblättern nach 2–4 Wochen zeigt den Erfolg der Bestäubung an.
- Nach dem Bräunen und teilweisen Öffnen der Kapsel (etwa zwei Monate) können Sie die Samen entnehmen.
- Die Samen sind entweder sofort zu verwenden oder werden für maximal zwei Jahre nach Kühl- und Trocknungslagerung im Kühlschrank aufbewahrt.
- Säen Sie im Herbst oder Winter, da sie eine Kaltstratifikation benötigen.
- Weichen Sie die Samen 2-14 Tage in destilliertem Wasser ein (täglich Wasser wechseln).
- Das Saatbeet muss unkrautfrei, sonnig (mindestens 6 Stunden) und durchlässig sein. Alternativ ist die Aussaat in Töpfen mit hochwertiger Aussaaterde möglich.
- Säen Sie die Samen mit 0,5–0,8 cm Abstand und ca. 0,5–0,8 cm Tiefe.
- Temperaturen sollten idealerweise zwischen 15 und 21 °C liegen. Wärmelampen sind hilfreich.
- Halten Sie den Boden konstant feucht, bis Sie die Pflanzen nach Auskeimen von August bis Oktober auspflanzen können.
- Erste Blüten können schon im ersten Jahr erscheinen, meist jedoch im zweiten Jahr.
Tipps, um den Erfolg Ihrer Blumenzucht zu steigern
- Wählen Sie gesunde und krankheitsresistente Pflanzen für die Zucht.
- Orientieren Sie sich bei der Auswahl an gewünschten Eigenschaften wie Farbe, Frosthärte oder Blütengröße.
- Halten Sie Elternpflanzen bei offener Bestäubung nahe beieinander.
- Schützen Sie bestäubte Blüten, z. B. mit Tüten, vor Fremdbestäubung.
- Bestäuben Sie mehrere Blüten einer Mutterpflanze für bessere Ergebnisse.
- Stellen Sie sicher, dass Blüten nicht nass sind, da Feuchtigkeit die Pollenqualität mindert.
- Kennzeichnen Sie Ihre Pflanzen und führen Sie genaue Aufzeichnungen.
- Seien Sie auf überraschende Ergebnisse vorbereitet – Samen können vielfältige Merkmale hervorbringen.
- Experimentieren Sie und testen Sie verschiedene Kombinationen, um die besten Pflanzen für die nächste Saison auszuwählen.
- Achten Sie darauf, dass patentierte Pflanzen nicht ohne Erlaubnis gezüchtet werden dürfen.
Der wichtigste Tipp zum Schluss: Probieren Sie es aus und genießen Sie das spannende Experiment der Blumenzucht!
