Ein ultimativer Leitfaden: Der Unterschied zwischen Baumknollen (Burls) und Gallen
Haben Sie schon einmal Bäume mit merkwürdigen Wucherungen oder Rundungen gesehen? Diese auffälligen Unebenheiten sind meist Baumknollen, sogenannte Burls, oder Gallen. In diesem Beitrag erklären wir, wie Sie diese beiden Phänomene sicher unterscheiden können, welche Ursachen dahinterstecken und wie man mit ihnen umgeht.
Was sind Baumknollen (Burls)?
Baumknollen, oft auch „Burrs“ oder „Burr Knots“ genannt, sind charakteristische runde Wucherungen, die an verschiedenen Baumarten vorkommen. Meistens betrifft das sowohl Laub- als auch Nadelbäume, vor allem Harz- und Harthölzer. Häufig finden Sie Burls in Wurzelnähe, seltener hoch am Stamm oder in Astnähe.
Ursachen für Baumknollen
Burls entstehen durch eine Vielzahl von Stressfaktoren für den Baum. Oft handelt es sich um Ansammlungen unentwickelter Knospen, die zu einer Art Deformation heranwachsen, die dann von mehreren Holzschichten umgeben wird. Ebenso können leichte Infektionen oder Insektenbefall solche Wucherungen auslösen. Das Holz überzieht die betroffenen Stellen, ähnlich wie eine Auster eine Sandkorn einschließt und daraus eine Perle bildet.
Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal von Burls ist, dass sie vollständig von Rinde bedeckt sind – die Maserung kann dabei stark variieren und wie ein einzigartiger Fingerabdruck wirken.
Sind Baumknollen schädlich?
Im Allgemeinen schaden Burls dem Baum nicht. Sie können jedoch problematisch werden, wenn sie die Gefäßstruktur beeinträchtigen und so die Lebensdauer des Baumes verringern. Zudem dienen manche Burr Knots als Rückzugsort für Insekten und Kleintiere, welche den Baum im Laufe der Zeit schädigen können.
Verwendung von Baumknollenholz
Für Holzhandwerker, Künstler und Drechsler sind Burls wahre Schätze. Das Holz liefert durch seine komplexen und verschnörkelten Maserungen ästhetisch beeindruckende Stücke, die sich ideal zum Drechseln von Schalen, Bechern (Kuksas) oder gar Möbeln eignen. Besonders an der Westküste Nordamerikas sind Redwood-Burls bis zu mehreren Fuß im Durchmesser erhältlich und ermöglichen größere Möbelstücke.
Wichtig: Burls dürfen nur von bereits gefallenen Bäumen geerntet werden. Das sogenannte „Burl Poaching“ schädigt oder tötet meist den Baum und ist daher zu vermeiden.
Was sind Baumgallen?
Im Gegensatz zu den glatten, runden Burls sehen Gallen eher deform und tumoral aus – und das sind sie auch. Gallen entstehen durch schnelle, ungeordnete Zellteilungen im Kambiumgewebe infolge von Reizungen durch Insekten, Pilze, Bakterien oder andere Pathogene.
Eigenschaften von Gallen
- Unregelmäßige, knotige und raue Oberfläche
- Farbabweichungen zum Baumstamm – oftmals schwarz oder grau
- Häufige Vorkommen bei Laubbäumen wie Eiche, Ahorn, Hickory, Walnuss und Mahagoni
- Besonders an Obstbäumen der Familie der Rosaceae wie Apfel, Kirsche, Pflaume oder Birne sichtbar
Ursache für Gallen sind häufig Infektionen, die über Pfropfungen oder Verletzungen ins Gewebe gelangen. Eine saubere und hygienische Schnittführung sowie das Anbringen von Pfropfungen mindestens zwei Fuß über dem Boden können das Risiko einer Gallbildung verringern.
Vorbeugung und Behandlung
Wenn Sie eine Galle frühzeitig entdecken oder Hüftverletzungen am Baum säubern, kann ein spezieller Bakterienwirkstoff namens Gallex helfen, die Infektion zu bekämpfen, bevor sich die Galle stark ausbildet.
Besonderheit: Chaga – der nützliche Pilz auf Birken
Chaga ist weder ein Burl noch eine Galle, sondern ein Heilpilz, der ausschließlich auf Birken wächst. Er zeichnet sich durch eine schwarz-braune Außenseite und eine goldorangefarbene Innenseite aus. Chaga wird wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung geschätzt.
Achten Sie darauf, Chaga nicht mit Gallen oder anderen Wucherungen zu verwechseln, denn letztere bieten keine vergleichbaren gesundheitlichen Vorteile.
Sind Burls oder Gallen gefährlich in der Handhabung?
Trotz ihres Namens als „Pflanzenkrebs“ sind Gallen nicht übertragbar auf Menschen, Haustiere oder Vögel. Einmal geöffnet, können sie allerdings Insekten beherbergen, die unangenehm beißen können.
Unser Tipp: Öffnen Sie Burls oder Gallen nur im Freien. So vermeiden Sie unangenehme Begegnungen mit Ameisen, Wespen oder anderen Insekten. Sollte es zu einem Angriff kommen, hilft nur ein schnelles Entfernen und, wenn möglich, ein Sprung ins Wasser.
Fazit: Baumknollen und Gallen sicher unterscheiden und verstehen
Mit diesem Wissen können Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang im Wald oder Garten sicher zwischen Burls und Gallen unterscheiden. Das Verständnis ihrer Entstehung, der Risiken und Nutzungsmöglichkeiten macht Sie zum Experten unter Ihren Freunden und Familie.
Ob Sie die kunstvollen Holzstücke der Burls zum Drechseln nutzen oder die Gallen als Anzeichen für Baumgesundheit beobachten – dieser Guide bietet Ihnen einen fundierten Überblick über diese faszinierenden Baumwucherungen.
