Wie man mit invasivem Geißblatt umgeht (und welche Sorten man stattdessen pflanzen sollte)
Geißblatt – wir lieben es und gleichzeitig auch nicht. Für manche ruft Geißblatt Erinnerungen an die Veranda der Großmutter an heißen Sommernächten hervor, während es für andere der Grund ist, dass ein geliebter Baum von invasivem Geißblatt erstickt wurde. Es gibt kaum eine Mittelstellung, wenn es um diese klassische Pflanze geht.
Invasive vs. nicht-invasive Geißblätter
Alle Geißblattpflanzen gehören zur Familie der Caprifoliaceae, die meisten davon zum Gattung Lonicera. Einige, vor allem die Strauch-Geißblätter, zählen allerdings zur Gattung Diervilla.
Die Geißblattarten aus der Gattung Diervilla sind besonders wichtig, da sie in Nordamerika heimisch sind. Diese Strauch-Geißblätter sind ein wertvoller Bestandteil unseres Ökosystems. Sie sind nicht-invasiv und bieten heimischen Insekten Nahrung. Besonders essenziell sind sie für die Larven des kleinen Engerlings (Ectropis crepuscularia) und des gewöhnlichen Smaragdspinners (Geometrinae).
In der Gattung Lonicera finden sich viele schöne, duftende und nicht-invasive Geißblattarten wie das Trompeten-Geißblatt (L. sempervirens), das gewöhnliche Geißblatt (L. periclymenum) und das Honigbeeren-Geißblatt (L. caerulea).
Allerdings gibt es innerhalb der Lonicera-Gattung auch einige invasive Arten: L. japonica, L. maackii, L. morrowii und L. tatarica sind bekannte invasive Geißblätter. Diese Arten sind in Nordamerika nicht heimisch und werden durch fehlende natürliche Hemmnisse im Ökosystem unkontrolliert verbreitet.
Wie verbreiten sich invasive Geißblatt-Pflanzen?
Geißblätter wachsen oft sehr schnell, weshalb viele Gärtner sie gerne an Rankhilfen ziehen. Sie können in kurzer Zeit ganze Spaliere bedecken oder als Sichtschutz dienen. Viele Sorten produzieren außerdem Beeren, die Vögel anlocken. Diese fressen die Beeren und verbreiten die Samen über weite Strecken.
Diese Kombination aus schnellem Wachstum und leicht verbreiteten Samen verschafft invasivem Geißblatt einen natürlichen Vorteil. Fehlen zudem natürliche Kontrollmechanismen, kann sich diese Pflanzen schnell und unkontrolliert ausbreiten.
Ein weiterer Verbreitungsweg ist der Verkauf invasiver Sorten in Baumschulen unter harmlosen oder sogar empfehlenden Namen, wie etwa ‘Hall’s Prolific’ für das Japanische Geißblatt (L. japonica). Früher wurde beispielsweise das Amur-Geißblatt (L. maackii) auch zur Erosionsbekämpfung eingesetzt und breitete sich dadurch rasant aus.
Beim Kauf einer Geißblattpflanze sollte man deshalb stets auf den botanischen Namen achten, um invasive Arten zu vermeiden.
Warum ist invasives Geißblatt problematisch?
Geißblatt ist zwar wunderschön und duftet herrlich, aber invasive Arten machen Gärten und Ökosysteme anfällig. Sie bilden dichte Bestände, die langsam wachsende Pflanzen ersticken. Sie treiben früher im Frühjahr aus als viele heimische Arten und nehmen Flächen ein, bevor andere Pflanzen die Chance haben zu wachsen.
Einige invasive Geißblätter produzieren zudem toxische Stoffe, die den Boden und damit andere Pflanzen schädigen.
Das bedeutet konkret, dass gefährdete und empfindliche Pflanzenarten wie Frauenschuh-Orchideen (Lady’s Slipper) oder Trillium zurückgedrängt werden. Auch wichtige Pflanzen für bestimmte Bestäuber, wie z. B. Seidenpflanzen (Milkweed), leiden darunter.
Somit können heimische Pflanzen und die von ihnen abhängigen Tiere mit den aggressiven Taktiken invasiver Geißblattarten nicht konkurrenzieren.
Wie entfernt man invasives Geißblatt erfolgreich?
Falls Ihr Garten voll mit invasivem Geißblatt steht, ist das Entfernnen zwar eine Herausforderung, aber machbar. Der Prozess dauert meist mehrere Jahre, da die Pflanze immer wieder neu austreibt.
1. Saisonale Entfernung
Die besten Zeitpunkte zum Entfernen sind der frühe Frühling und der späte Herbst. Zu diesen Zeiten hat Geißblatt Laub, während viele andere Pflanzen kahl sind, was das Erkennen erleichtert.
Schneiden Sie die Pflanzen regelmäßig dicht an der Wurzel zurück – egal ob mit Heckenschere, Gartenschere oder Freischneider. Kontrollieren Sie besonders in diesen Jahreszeiten konsequent alle neuen Triebe.
2. Ausreißen der Wurzeln
Wenn möglich, entfernen Sie die komplette Pflanze samt Wurzeln. Junge Geißblattpflanzen lassen sich oft aus dem Boden ziehen. Das ist wichtig, da die Pflanze sonst aus den verbliebenen Wurzeln wieder austreibt.
3. Starke Zurückschneidung und Wurzelbehandlung
Bei älteren, etablierten Pflanzen ist das Ausreißen meist nicht mehr möglich. Schneiden Sie die Stämme deshalb bodennah zurück und töten Sie die Wurzel ab. Hierfür kann entweder ein Herbizid eingesetzt oder aber ein Bereich mit schwarzer Plastikfolie abgedeckt werden. Diese Methode erfordert Geduld, ist aber umweltfreundlicher und verhindert das Keimen neuer Triebe über die Sommermonate.
4. Herbizideinsatz
Glyphosat wird häufig empfohlen, um invasives Geißblatt zu beseitigen. Allerdings ist die Anwendung umstritten, da Glyphosat mit verschiedenen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht wird. Besonders in Haushalten mit Kindern, Haustieren oder gesundheitlichen Vorbelastungen sollte darauf verzichtet werden.
Verwenden Sie Herbizide nur mit größter Vorsicht und beachten Sie, dass im Folgenden keine Gemüse- oder Obstkulturen im behandelten Boden wachsen sollten, bis das Mittel vollständig abgebaut ist.
5. Konsequente Kontrolle
Da Geißblatt schnell über Samen verbreitet wird – oft durch Vögel oder Rehe – ist eine jährliche Kontrolle und erneute Entfernung junger Pflanzen im Garten unerlässlich.
Fazit: Auf nicht-invasive Geißblattarten setzen
Glücklicherweise gibt es viele wunderschöne, nicht-invasive Geißblattarten, mit denen Sie Ihren Garten duftend und attraktiv gestalten können, ohne Ihr Ökosystem zu gefährden. Wählen Sie die richtige Sorte für Ihren Standort, und Sie profitieren von einem gesunden, bienenfreundlichen Garten.
Empfohlene heimische und nicht-invasive Geißblatt-Sorten
- Trompeten-Geißblatt ‘Major Wheeler’: Bekannt für seine leuchtend roten Blüten und den starken Duft. Winterhart in den Klimazonen 4 bis 8, klettert bis zu 2,5 Meter und breitet sich etwa 2 Meter breit aus – ideal für Wände und Zäune.
- Gewöhnliches Geißblatt ‘Peaches and Cream’: Produziert herrlich duftende rosa-weiße Blüten. Etwas kompakter als ‘Major Wheeler’, wächst bis etwa 1,8 Meter und ist ideal, wenn hauptsächlich der Duft im Vordergrund steht.
- Honigbeeren-Geißblatt (Lonicera caerulea): Anders als die meisten Geißblätter trägt es essbare, bläuliche Beeren. Es wächst strauchartig, hat keinen starken Duft, bietet aber früh im Jahr eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen. Empfohlene Sorten sind ‘Indigo Treat’ und ‘Aurora’.
Mit diesen Sorten gestalten Sie einen naturnahen Garten, der Insekten fördert, optisch begeistert und vor allem nachhaltig ist.
