Weißer Schimmel auf Pflanzen: Wie man Sklerotinia-Fäule erkennt und bekämpft

Weiße Schimmelpilzkrankheit bei Pflanzen: Erkennen und Bekämpfen von Sclerotinia

Im Gartenjahr ist es oft eine große Herausforderung, Krankheiten an Pflanzen in den Griff zu bekommen. Eine besonders verbreitete und gefährliche Pilzkrankheit ist Sclerotinia, auch bekannt als Weißschimmel. Diese Erkrankung befällt zahlreiche Pflanzenarten und kann schwere Ernteverluste verursachen. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte zur Identifikation und effektiven Bekämpfung von Weißschimmel im Garten.

Was ist Weißschimmel (Sclerotinia)?

Sclerotinia ist eine Pflanzenfäule, die von den Pilzarten Sclerotinia sclerotiorum und Sclerotinia minor verursacht wird. Typische Symptome sind ein watteartiger, weißer Pilzbelag, oft begleitet von kleinen schwarzen Punkten, den sogenannten Sklerotien. Diese können bis zu fünf Jahre oder länger im Boden überleben und somit immer wieder für Neuinfektionen sorgen.

Synonyme für Weißschimmel sind Baumwollfäule, Nassfäule, Stängelfäule oder Blütenwelke. Besonders anfällig sind Pflanzen mit hohlen Stängeln und viele Gemüse- sowie Zierpflanzen. Die Erkrankung tritt vor allem im Sommer und Herbst auf, beginnt jedoch häufig bereits in kühlerem Wetter.

Der Lebenszyklus von Weißschimmel

Weißschimmel kann drastische Ertragsverluste verursachen, da er nicht nur die Pflanze selbst, sondern auch deren Samen infiziert. Die Pilzsporen können bis zu fünf Jahre oder länger im Boden ruhen, bevor sie durch eine geeignete Wirts-Pflanze aktiviert werden.

Sclerotinia sclerotiorum bildet kleine, runde Fruchtkörper auf der Bodenoberfläche, sogenannte Apothecien, die wie flache Mini-Pilze aussehen. Durch Regen, Bewässerung oder Nebel werden die Sporen freigesetzt und vom Wind auf andere Pflanzen getragen. Bei optimalen Bedingungen infizieren sie neue Pflanzen schnell über die Basis.

Symptome von Weißschimmel erkennen

Die Symptome ähneln oft anderen Pflanzenkrankheiten, doch das charakteristische Merkmal sind der weiße, flauschige Pilzbewuchs und die schwarzen Sklerotien. Begonnen wird meist mit gelblichen Blättern, die Flecken entwickeln, dann welken und schließlich abfallen.

  • Weißer Watte-artiger Pilz auf Stängeln und Früchten
  • Schwarze Pilzknötchen (Sklerotien) von 0,6 bis 1,2 cm Durchmesser
  • Feuchte, weiche Fäulnis an Stängelbasis, besonders bei hohlstieligen Pflanzen
  • Bei Blumenzwiebeln wie Gladiolen trockene Fäule an Kormus und Neu-Kormellen
  • Bei Hyazinthen weiche, unangenehm riechende Fäulnis

Welche Pflanzen sind von Weißschimmel betroffen?

Die Bandbreite der anfälligen Pflanzen ist groß – weltweit sind bis zu 400 Arten bekannt. Im heimischen Garten sind insbesondere folgende Gemüse, Obst und Zierpflanzen verbreitet betroffen:

Gemüse und Obst

  • Salat
  • Bohnen
  • Sellerie
  • Erbsen
  • Tomaten
  • Gurken
  • Chicorée
  • Kartoffeln
  • Steinobst
  • Kapuzinerkresse

Zierpflanzen

  • Dahlien
  • Rittersporn
  • Sonnenblumen
  • Gänseblümchen
  • Schwertlilien
  • Fingerhut
  • Pfingstrosen

Arten der Weißschimmel-Infektion

Stängel- und Wurzelbasisfäule (Basal- und Kronenfäule)

Diese Infektion beginnt an der Pflanzeintrittsstelle in der Wurzel- oder Kronenregion und wird meist durch Sclerotinia minor verursacht. Symptome sind das ringsum verengte Stängelwachstum knapp über dem Boden mit weißem Pilzbewuchs auf der Oberfläche. Insbesondere Salat stirbt durch eine Kombination aus Braunfärbung und wässriger Fäulnis ab.

Infektion der oberen Pflanzenteile (Aerial Infection)

Hier befällt der Weißschimmel Stamm, Blüten, Früchte oder Blätter. Es entstehen wassergetränkte Flecken, die sich ausbreiten. Die Stängel werden eingeschnürt, faulen und sterben ab. Ein dicker weißer Pilzbelag lässt die befallenen Pflanzenteile fast bleich erscheinen.

Wie verbreitet sich Weißschimmel?

Die Pilzsporen verbreiten sich primär durch den Wind nach der Freisetzung aus den Apothecien. Pflanze-zu-Pflanze-Übertragung während einer Saison ist selten, da keine neuen Sporen aus dieser Infektion gebildet werden. Häufig sind schwere Krankheiten die Folge von Sporen, die aus der Vorjahresinfektion stammen.

Günstig für die Pilzentwicklung sind schattige, feuchte Bodenbedingungen, z.B. durch dichte Blattkronen oder enge Pflanzreihen bei Temperaturen von 4 bis 15 °C. Die Sporen können bis zu 50 Metern weit getragen werden und so viele Pflanzen befallen.

Effektive Maßnahmen zur Bekämpfung von Weißschimmel

  1. Ausreichender Pflanzabstand: Für gute Luftzirkulation sorgen und dichte Bestände vermeiden, vor allem bei Pflanzen mit dichten Blätterdächern.
  2. Richtige Düngung: Übermäßige Stickstoffgaben vermeiden, um ein zu dichtes Blattwerk zu verhindern, das die Luftfeuchtigkeit erhöht und die Pilzentwicklung fördert.
  3. Optimale Pflanzzeit: Nach Möglichkeit Pflanzen im späten Frühjahr bis Spätsommer setzen, sodass wärmere Temperaturen die Pilzentwicklung hemmen.
  4. Unkrautkontrolle: Entfernen Sie breitblättrige Unkräuter, die als Wirte fungieren können, um einen Befall zu reduzieren.
  5. Biologische Bekämpfung: Nutzen Sie mykoparasitäre Pilze wie Coniothyrium minitans oder Unocladium oudemansii sowie Mikroorganismen wie Streptomyces lydicus und Bacillus amyloliquefaciens (z.B. Bonide Revitalize).
  6. Fruchtfolge: Wechseln Sie nichtwirksame Wirts-Pflanzen mit z.B. Mais oder Weizen ab, um die Pilzsporen langfristig zu reduzieren.
  7. Fungizide: In schweren Fällen können Kupferfungizide oder andere lokalspezifische Präparate eingesetzt werden. Beratung beim Experten vor Ort wird empfohlen.
  8. Resistente Sorten: Verwenden Sie nach Möglichkeit resistente Zuchtlinien, insbesondere bei Raps, Brassica-Arten und Sojabohnen.

Fazit

Weißschimmel (Sclerotinia) ist eine gefährliche Pilzkrankheit, die zahlreiche Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen befällt. Eine frühzeitige Erkennung und gezielte Maßnahmen in der Kulturführung helfen, schweren Ernteverlusten vorzubeugen. Neben der richtigen Pflanzenauswahl, guter Luftzirkulation und Fruchtfolge spielen biologische Kontrollmittel und im Notfall ausgewählte Fungizide eine wichtige Rolle in der Bekämpfung. Mit diesem Wissen sind Sie gut gerüstet, um Weißschimmel im Garten erfolgreich zu managen.

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