Orchideen richtig pflegen: Ein umfassender Anfängerleitfaden zum Orchideen züchten
Orchideen gehören zu den faszinierendsten und beliebtesten Blumen weltweit. Trotz ihres eleganten und exklusiven Aussehens sind viele Orchideenarten gar nicht so schwer zu pflegen, wie oft angenommen wird. In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie als Einsteiger über das Orchideen züchten, ihre verschiedenen Arten sowie die richtige Pflege wissen müssen, um Ihre Pflanze dauerhaft zum Blühen zu bringen.
Was sind Orchideen?
Orchideen sind eine Pflanzenfamilie mit etwa 30.000 Arten und über 200.000 Hybriden. Die meisten Orchideenarten wachsen in tropischen Gebieten wie Asien, Süd- und Mittelamerika. Allerdings gibt es Orchideenarten, die auf fast allen Kontinenten (außer der Arktis und Antarktis) heimisch sind.
Arten von Orchideen
- Epiphytische Orchideen: Diese wachsen an Bäumen oder Stämmen und nehmen Feuchtigkeit sowie Nährstoffe aus der Luft und dem verrottenden Pflanzenmaterial auf.
- Terrestrische Orchideen: Diese wachsen im Boden und sind bodengebunden.
Beliebte und einfache Orchideenarten für Anfänger
Für Anfänger eignen sich folgende Orchideenarten besonders gut:
- Paphiopedilum (Frauenschuhorchidee): Eine robuste terrestrische Orchidee mit langanhaltenden Blüten in verschiedensten Farben. Oft in Supermärkten erhältlich.
- Cymbidium (Bootsorchidee): Große Blüten, relativ pflegeleicht und kälteresistent, ideal für gemäßigte Klimazonen auch im Außenbereich.
- Phalaenopsis (Schmetterlingsorchidee): Sehr beliebt als Topfpflanze, epiphytisch und anspruchslos. Braucht vor allem Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit.
- Oncidium (Tanzorchidee): Blüht mit schwingenden Blüten, benötigt täglich 5–8 Stunden Licht und wächst schnell.
- Brassavola: Ideal als montierte Orchidee, duftet intensiv und ist etwas dürretoleranter.
- Dendrobium: Wächst gerne wurzelgebunden im Topf, mag keine häufigen Umtopfaktionen und darf keine „nassen Füße“ bekommen.
- Phaius tankervilleae: Große, aufrecht wachsende Art, die bis zu einem Meter hoch werden kann.
Orchideen im Freiland anbauen
In den Klimazonen 6 bis 9 können viele Orchideenarten erfolgreich im Garten wachsen. Dabei sollten die Pflanzen bei Temperaturen unter 4 °C in Töpfe gesetzt und ins Haus gebracht werden. Da Orchideen gedämpftes Licht, mindestens 40 % Luftfeuchtigkeit und eine moderate Bodenfeuchte benötigen, sind Pflegemaßnahmen im Freiland für Anfänger mit Vorsicht zu genießen.
Geeignete Sorten für den Garten
- Frauenschuhorchideen für schattige Bereiche
- Nonnenorchideen für Halbschatten bis Sonne, dabei stets feuchter Boden
- Schmetterlingsorchideen nur im tiefen Schatten
- Cymbidium, Dendrobium, Encyclia und Spathoglottis sind weitere gute Optionen
Orchideen erfolgreich drinnen kultivieren
Viele Orchideen gedeihen in geschützten Innenräumen am besten. Normalerweise werden Orchideen in durchsichtigen Kunststofftöpfen mit vielen Abflusslöchern verkauft – das gewährleistet Luftzirkulation und gute Drainage. Diese Töpfe können in dekorative Übertöpfe gestellt werden.
Ideal sind Tontöpfe oder Körbe mit Drainagelöchern, die das Atmen der Wurzeln erlauben und eine optimale Luftfeuchte sicherstellen. Körbe sind besonders zu empfehlen, da die Wurzeln hier frei atmen und Wasser schnell abfließt.
Wichtig: Verwenden Sie ausschließlich Orchideensubstrat, keine normale Blumenerde!
Gießen und Düngen
- Orchideen zweimal wöchentlich mit lauwarmem Wasser gießen – Topf unter fließendes Wasser halten, bis es durchläuft.
- Keine Blätter gießen, um Fäulnis zu vermeiden.
- Ab dem ersten Monat nach dem Kauf monatlich mit speziellem Orchideendünger versorgen, während der Blüte alle zwei Wochen.
Umtopfen
Alle zwei bis drei Jahre sollte umgetopft werden, wenn die Wurzeln den Topf vollständig ausfüllen.
Orchideen montieren
Epiphytische Orchideen können auf Holz oder Korkplatten befestigt werden – ideal für erfahrene Gärtner. Die Wurzeln werden nach dem Entfernen aus dem Topf von altem Substrat befreit, danach in feuchtem Torfmoos umwickelt und am Trägermaterial befestigt. Verwenden Sie dafür weiche Schnüre, Strumpfhosen oder Angelschnur.
Diese Anbaumethode ist sehr natürlich, erfordert aber sorgfältige Bewässerung und die Anwendung von Blattsprays.
Orchideen vermehren
Vermehrung über Stecklinge
- Wählen Sie einen kräftigen, mindestens 20 cm langen Stängel.
- Schneiden Sie den Stängel nahe des Knotens in kleine Stücke mit jeweils zwei Knoten.
- Legen Sie diese auf ein feuchtes Sphagnum-Moos in eine Schale und decken Sie diese mit einer Plastiktüte ab.
- Stellen Sie das Ganze an einen hellen, aber nicht sonnigen Ort und halten Sie das Substrat feucht.
- Sobald die Jungpflanzen mehrere Blätter entwickelt haben, werden sie in einzelne Töpfe umgepflanzt.
Vermehrung über Ableger
Manche Orchideen bilden am Pflanzensockel kleine Seitentriebe, die bewurzelt sind. Sobald diese mindestens drei Blätter und ein Zentimeter lange Wurzeln haben, können sie vorsichtig abgetrennt und eigenständig eingepflanzt werden.
Wie bringt man Orchideen zum erneuten Blühen?
Damit Ihre Orchidee regelmäßig blüht, müssen Sie das natürliche Umfeld ihrer Heimat imitieren. Licht, Wasser, Nährstoffe und Temperatur spielen dabei entscheidende Rollen.
- Entfernen Sie verbrauchte Blütenstände, um das Wachstum neuer Blüten anzuregen.
- Passen Sie die Tageslichtlänge und Temperatur an – viele Orchideen brauchen eine kühlere Phase, um Blütentriebe zu bilden.
- Verwenden Sie während der Blütezeit einen phosphorhaltigen Dünger und reduzieren Sie die Wassergaben etwas.
Häufige Probleme bei der Orchideenpflege und Lösungen
Knospenschwund (Bud Blast)
Knospenschwund kann durch falsches Gießen, ungenügendes Licht oder ungeeignete Luftfeuchtigkeit verursacht werden. Auch Schädlingsbefall kann Auslöser sein.
Wurzelfäule
Ursache ist Staunässe und mangelnde Drainage. Die Wurzeln werden schwarz und matschig, die Blätter gelb. Entfernen Sie abgestorbene Wurzeln, wechseln Sie das Substrat und gießen Sie sparsamer.
Bakterielle Fäule
Blätter und Stängel verwelken und werden matschig. Pflanzen waschen, in neuem Substrat umtopfen und mit Kupferfungizid behandeln.
Woll- und Schmierläuse
Erkennen Sie diese an weißen, watteähnlichen Belägen. Behandeln Sie mit Neemöl und Pyrethrum für eine schnelle Wirkung.
Thripse
Diese verursachen Flecken auf Blättern und Knospen, die nicht aufgehen. Insektizide Seifen helfen hier gut.
Spinnmilben
Sehr klein und oft unbemerkt, erkennt man sie an feinen Netzen und gelblichen Sprenkeln. Neemöl oder spezielle Milbensprays bekämpfen sie effektiv.
Tipps für Anfänger: Orchideen erfolgreich züchten
- Keine Angst vor der Pflege – viele Orchideen sind leichter zu halten als gedacht.
- Regelmäßig, aber gezielt gießen und düngen.
- Für die richtige Luftfeuchtigkeit und ausreichend, aber indirektes Licht sorgen.
- Verwenden Sie spezielles Orchideensubstrat und geeignete Töpfe.
- Wählen Sie eine anfängerfreundliche Sorte, z.B. Phalaenopsis oder Paphiopedilum.
Mit diesen Hinweisen verwandeln Sie Ihr Zuhause in ein kleines Orchideenparadies und können sich an der Blütenpracht über viele Jahre erfreuen.
