Was sind parasitäre Pflanzen und sollte man sie anbauen?
Parasitische Pflanzen sind faszinierende Gewächse, die sich von anderen lebenden Pflanzen ernähren, anstatt – wie die meisten Pflanzen – ausschließlich auf Sonnenlicht und Nährstoffe aus dem Boden angewiesen zu sein. Während viele von uns die Mistel kennen, gibt es zahlreiche weitere Arten von parasitären Pflanzen, die nicht nur interessant, sondern auch im Gartenpflege-Kontext relevant sind.
Was sind parasitäre Pflanzen?
Die meisten Menschen verbinden die Mistel mit der Weihnachtszeit und dem berühmten Kuss darunter. Doch die Mistel ist tatsächlich eine parasitäre Pflanze, die anderen Pflanzen Wasser und Nährstoffe entzieht und ihnen dadurch schaden kann. Parasitische Pflanzen sind eine Gruppe von über 4.000 Arten weltweit, die heterotroph leben und zum Überleben auf andere Pflanzen angewiesen sind.
Diese Pflanzen nutzen spezielle Wurzeln, sogenannte Haustorien, die tief in das Gefäßsystem der Wirtspflanzen eindringen und Wasser sowie Nährstoffe absaugen. Dabei existieren verschiedene Formen parasitärer Pflanzen: manche benötigen zwingend einen Wirt, andere können zeitweise auch selbstständig fotosynthetisch aktiv sein.
Wie beeinflussen parasitäre Pflanzen andere Pflanzen?
Parasitische Pflanzen können die Gesundheit ihrer Wirte erheblich beeinträchtigen:
- Einige Arten sind vollständig auf ihren Wirt angewiesen und überleben nicht ohne diesen.
- Andere wirken hemiparasitisch, das heißt, sie können teilweise selbst Photosynthese betreiben, sind aber auch teilweise parasitisch.
- Parasitische Pflanzen können sowohl an den Wurzeln als auch am Stängel anderer Pflanzen haften.
- Der Entzug von Wasser und Nährstoffen durch die Parasiten kann das Wachstum der Wirtspflanzen hemmen oder sie sogar abtöten.
Wenn parasitäre Pflanzen in der Nähe von Nutzpflanzen im Garten wachsen, können sie die Ernte erheblich beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Anpflanzen gut zu informieren und die Pflanzenauswahl sorgfältig zu treffen.
Beispiele für parasitäre Pflanzen
1. Mistel
Die Mistel ist wohl die bekannteste parasitäre Pflanze. Sie wächst auf Büschen und Bäumen, nutzt ihr Haustorium, um Wasser und Nährstoffe zu entziehen, und besitzt kleine immergrüne Blätter sowie charakteristische weiße Beeren. Als Hemiparasit führt sie eigene Photosynthese durch, ist aber dennoch ein Schmarotzer. Viele Vögel nutzen Mistel als Nahrung und Nistplatz. Trotz ihrer Schönheit kann sie für die Wirtsbäume schädlich sein.
2. Schmarotzer (Dodder)
Der Schmarotzer ist eine gelbe, blattlose Kletterpflanze, die sich in dichten Maschen um ihren Wirt windet. Über seine Haustorien zapft er die Nährstoff- und Wasservorräte der Wirtsstämmchen an, was zum Absterben der Wirtspflanze führen kann. Auffallend ist, dass Dodder seine Wirte genau „wählt“ und gezielt darauf wächst.
3. Australischer Weihnachtsbaum
Dieser elegante Parasit stammt aus Australien und blüht, wenn andere Pflanzen ruhen. Mit eigenen grünen Blättern kann er Photosynthese betreiben, stiehlt aber über seine wurzelähnlichen Verbindungen benachbarter Pflanzen Wasser. Obwohl schön und widerstandsfähig, können seine starken Wurzeln sogar unterirdische Versorgungsleitungen beschädigen.
4. Leichenblume (Titanenwurz)
Die Leichenblume gilt als größte Einzelblume der Welt und wächst im Dschungel Indonesiens und Malaysias. Da sie keine Blätter besitzt, ist sie völlig auf ihren Wirt angewiesen. Ihren Namen verdankt sie dem intensiven Gestank nach verfaultem Fleisch, den sie ausströmt, um Aasfliegen zur Bestäubung anzulocken.
5. Thurber’s Stengel-Sauger
Diese winzige, nur 6 mm lange Wüstenpflanze parasitiert Erbsengewächse im Südwesten Nordamerikas. Sie lebt meist verborgen im Stängel ihres Wirts und wird erst sichtbar, wenn sie Blüten hervorbringt. Für Gärtner, die Hülsenfrüchte anbauen, ist diese parasitäre Pflanze von Bedeutung, da sie Auswirkungen auf die Wirtspflanze haben kann.
Parasitische Pflanzen anbauen – ja oder nein?
Parasitische Pflanzen können Ihrem Garten Vielfalt und einen besonderen Reiz verleihen. Allerdings sollten Sie bei der Pflege und Pflanzenauswahl genau wissen, welche Auswirkungen diese Pflanzen auf die umgebende Flora haben können. Setzen Sie sie nicht unbedacht nahe an empfindliche oder wertvolle Nutzpflanzen, um Schäden zu vermeiden.
Wer Interesse an exotischen und ungewöhnlichen Pflanzen hat, findet in parasitären Arten spannende Gartenpartner – stets mit der nötigen Vorsicht und Pflege.
