Wie Sie Herbst- und Winter-Deckfrüchte als Gründünger nutzen
Viele Gärtner bereiten ihre Beete im Frühjahr mit diversen Bodenverbesserern vor, während andere lieber im Herbst große Mengen Pferde-, Kuh- oder Schafmist ausbringen. Im Winter zersetzen sich diese organischen Materialien, sodass der Boden zum Frühjahr erneuert und bepflanzungsbereit ist. Doch es gibt einen weiteren cleveren Weg, den Boden während der kalten Monate optimal zu regenerieren: das Anbauen von Herbst- und Winter-Deckfrüchten.
Was sind Deckfrüchte?
Deckfrüchte, auch Gründüngung genannt, sind Pflanzen, die ausschließlich zur Bodenbedeckung und -pflege angebaut werden und nicht zur Ernte bestimmt sind. Sie schützen den Boden vor Erosion, verbessern die Bodenstruktur und versorgen die Erde mit wichtigen Nährstoffen.
Je nach Pflanzenart werden unterschiedliche Aufgaben erfüllt: Leguminosen reichern den Boden mit Stickstoff an, was vor allem nach stark zehrenden Kulturen wie Blattgemüse sinnvoll ist. Tiefreichende Pflanzen lockern verdichtete Böden und verhindern Bodenabtrag. Sommerliche Pflanzenkulturen profitieren im Folgejahr von einer verbesserten Bodenfruchtbarkeit dank der Deckfrüchte.
Warum Deckfrüchte im Herbst und Winter anbauen?
Während der « ruhigen » Jahreszeit wirken viele Gärtner mit weniger Produktivität und werfen sich auf ein Winterhygge. Dabei leisten Deckfrüchte wichtige Dienste unter der Schneedecke: Sie nähren den Boden, schützen ihn vor Auswaschung und Erosion und sorgen für ein gesundes Bodenleben. Durch den Einsatz von Deckfrüchten gelingt es, selbst in der kalten Jahreszeit die Bodenqualität kontinuierlich zu verbessern – eine effektive Maßnahme für nachhaltiges Gärtnern und unsere Erde.
Wann sollte man Deckfrüchte aussäen?
Die Aussaat von Herbst- und Winter-Deckfrüchten erfolgt idealerweise 4 bis 6 Wochen vor dem ersten erwarteten Frost. So haben die Pflanzen genügend Zeit, vor der kältesten Phase einige Zentimeter zu wachsen. Je nach Region und Klimazone lässt sich die genaue Aussaatzeit variieren – in wärmeren Klimazonen wachsen manche Kulturen schneller und müssen entsprechend früher gesät werden, um eine zu frühe Aussaat von Samen zu vermeiden.
Beliebte Herbst- und Winter-Deckfrüchte
Österreichische Wintererbsen (Pisum sativum)
Diese Feld-Erbsen sind hervorragende Stickstofffixierer und ideal zum Verbessern von Böden, die für Getreide bestimmt sind. Besonders Weizen profitiert von der Vorfrucht Wintererbsen. Die Pflanzen schaffen Biomasse und verbessern die Feuchtigkeitsspeicherung im Boden – ein Vorteil in trockenen Lagen. Aussaat erfolgt im Spätsommer bis Früherbst.
Buchweizen (Fagopyrum esculentum)
Buchweizen wächst sehr schnell und eignet sich optimal für kurze Vegetationsperioden. Er wird ca. fünf Wochen vor dem ersten Frost gesät, sollte aber vor der Blüte gemäht werden, damit sich keine Samen bilden. Obwohl Buchweizen nichts zur Stickstoffanreicherung beiträgt, verhindert er effektiv Bodenerosion durch sein dichtes, faserreiches Wurzelsystem.
Hafer (Avena sativa)
Hafer bildet einen dichten Bodenbewuchs, der als Mulch hervorragend geeignet ist. Er speichert Feuchtigkeit und verbessert somit trockene, ausgelaugte Böden. Ideal für Frühjahrsaussaat als Vorbereitung auf Sommergemüse wie Tomaten, Paprika oder Auberginen. Aussaat, sobald der Boden frostfrei und bearbeitbar ist.
Rot- oder Fleischklee (Trifolium incarnatum)
Rotklee ist eine weitere Stickstoff-fixierende Leguminose, die ab Spätsommer ausgesät wird. Ein früher Schnitt ermöglicht Blütenbildung und versorgt wichtige Bestäuber mit Nahrung vor dem Winter. Besonders nach stark zehrendem Blattgemüse ist Rotklee perfekt, um den Stickstoffgehalt im Boden wieder aufzubauen.
Wintergerste (Hordeum vulgare)
Ein günstiges, schnell wachsendes Deckfruchtgetreide, das Böden rasch regeneriert und Biomasse bildet. Wintergerste bevorzugt kühle, trockene Regionen und ist besonders für nördliche und höher gelegene Gärten geeignet. Zusätzlich unterdrückt sie schädliche Nematoden, die z.B. Tomaten und Rosen schädigen können.
Winterroggen (Secale cereale)
Winterroggen ist ein schnell wachsendes Getreide, das mit tiefen Wurzeln Bodenerosion vorbeugt und verdichtete Böden auflockert. Es gedeiht sowohl in kalten nordischen Regionen als auch in wärmeren Klimazonen optimal und trägt nachhaltig zur Bodenverbesserung bei.
Abschneiden oder Einarbeiten?
Die Entscheidung, ob man Deckfrüchte abschneidet und liegen lässt oder sie in den Boden einarbeitet, hängt von der bevorzugten Gartenmethode ab. Bei no-dig- oder Hugelkultur-Beeten wird meist nur gemäht und das Pflanzenmaterial auf der Fläche belassen, um es langsam verrotten zu lassen.
Wer die Deckfrüchte einarbeiten möchte, nutzt häufig einen Rototiller, besonders in wärmeren Regionen, wo die Zersetzung schneller erfolgt. Der Boden wird auf diese Weise schnell wieder arbeitsfähig und bereit für die nächste Bepflanzung.
Tipps für den Einsatz von Deckfrüchten
- Säen Sie die Deckfrüchte möglichst vor einem Regen, damit die Samen gut in den Boden eingebracht werden und nicht verwehen oder gefressen werden können.
- Schneiden oder bearbeiten Sie die Pflanzen vor dem ersten Blühen, um unerwünschte Selbstaussaat zu vermeiden.
- Führen Sie ein Gartenjournal, um den Einfluss der Deckfrüchte auf die Bodenqualität und spätere Ernten zu dokumentieren.
Mit Herbst- und Winter-Deckfrüchten schützen und verbessern Sie Ihren Gartenboden ganzjährig und legen so die Grundlage für eine reiche und gesunde Ernte im nächsten Jahr.
