Weizen Anbauen: Sorten, Pflanzanleitung, Pflege, Probleme und Ernte
Weizen ist seit seiner Domestizierung im Jahr 9600 v. Chr. eine der wichtigsten Nutzpflanzen weltweit. Viele Kulturen verlassen sich seit jeher auf Weizen als Nahrung und nutzen ihn zur Herstellung von Grundnahrungsmitteln. Darüber hinaus dient Weizen auch als Futtermittel und Einstreu für Tiere. Neben seiner praktischen Bedeutung ist Weizen auch eine wunderschöne Pflanze, wie beispielsweise Van Goghs berühmte Weizenfelder zeigen.
Weizensorten und -arten
Es gibt verschiedene Weizenarten, die je nach Anbauzeit und Region wachsen. Hauptsächlich unterscheidet man zwischen Herbstweizen und Sommerweizen:
- Herbstweizen: Wird im Herbst ausgesät, beginnt zu wachsen, geht in die Ruhephase und wächst im Frühjahr weiter bis zur Ernte.
- Sommerweizen: Wird im Frühling gepflanzt und im Spätsommer geerntet. Diese Sorte wächst vor allem in kälteren Regionen und bringt geringere Erträge.
Innerhalb dieser Arten gibt es zahlreiche Sorten, die je nach Standort unterschiedlich gut gedeihen – ein Ausprobieren lohnt sich. Die örtliche Landwirtschaftsbehörde kann Empfehlungen zu passenden Sorten geben.
Hartroter Weizen
- Bolles: Offen bestäubter Hartroter Sommerweizen, ideal für Hobbygärtner. Erreicht die Reife nach 90 bis 120 Tagen, reift im Spätsommer und ist resistent gegen Blattrost.
- Glenn: Ebenfalls eine offen bestäubte Sorte, hull-less (schalenlos), erleichtert das Dreschen. Sehr krankheitsresistent und tolerant gegenüber Sprenkelkrankheit (Scab).
- Black Eagle: Optisch besonders ansprechend mit schwarz-weißen Ähren, ähnlich Zierweizen, aber geschmacklich hervorragend zum Backen. Wächst bis zu 90 cm hoch und liefert gute Strohqualität.
Weichroter Weizen
Diese Variante wird östlich des Mississippi angebaut und ist vor allem als Mehl für feine Backwaren bekannt, eignet sich aber auch für Brot. Die rote Farbe bezieht sich auf die Kornsorte, nicht auf das Mehl.
- Medina Winterweizen: Frosthart und resistent gegen verschiedene Krankheiten wie Sprenkelkrankheit, Mosaikvirus und Mehltau. Ideal für Gebäck und zur Bierherstellung.
Weißer Weizen
Vor allem im pazifischen Nordwesten verbreitet, wird Weißer Weizen als Brotmehl genutzt. Er gilt als milder und süßer im Geschmack.
- LCS Ghost: Winterweizen mit hohem Ertrag in regnerischen Gebieten, rostresistent.
Durum-Weizen
Durum-Weizen wird überwiegend in den Great Plains, z.B. in den Dakotas, angebaut und ist bekannt als Pasta-Mehl.
- Divide: Frühjahrssorte mit mittlerer Resistenz gegen Sprenkelkrankheit und hohen Erträgen.
Die richtige Aussaatmenge
Nach Angaben von Fedco Seeds können Sie aus 100 Pflanzen auf 100 Quadratfuß etwa 4,5 kg Weizen ernten. Auf 1000 Quadratfuß ergibt sich ein Scheffel Weizen, also rund 27 kg – genug für etwa 90 Brote. Damit ist der Anbau von Weizen nicht nur sinnvoll, sondern ein Schritt zur echten Selbstversorgung.
Weizen pflanzen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Der optimale Standort
Weizen benötigt einen sonnigen Standort mit gut durchlässigem Boden – Staunässe verträgt er schlecht. Ein Boden-pH-Wert um 6,5 ist ideal. Vor der Aussaat sollte der Boden tief gelockert, von Steinen und Pflanzenresten befreit sowie mit gut verrottetem Kompost oder Mist angereichert werden. Konkurrenz durch Unkräuter sollte möglichst vermieden werden.
Aussaat der Samen
Weizensaat wird am besten durch „Broadcasting“ ausgesät: Samen gleichmäßig auf die Erde streuen und mit einer Harke leicht in die oberste Bodenschicht einarbeiten. Bei trockenem Boden empfiehlt es sich, die Fläche vor der Aussaat zu wässern. Für größere Flächen ist ein Drillgerät praktisch.
Aussaatzeit für Sommerweizen
Sommerweizen wird möglichst früh im Jahr gesät, denn die Kühlphase begünstigt die Keimung. Die Vorbereitung des Beetes bereits im Herbst ermöglicht einen zeitigen Start im Frühjahr. Verzögerte Aussaat kann zu geringeren Erträgen führen. Empfohlene Saatmenge: rund 1,8 kg auf 1000 Quadratfuß.
Aussaatzeit für Herbstweizen
Herbstweizen wird zwischen Mitte September und Mitte Oktober ausgesät, etwa drei Wochen vor dem ersten Frost. Nicht zu früh aussäen, damit die Pflanzen nicht zu stark wachsen und durch Frost Schaden nehmen. Die Verfahren und Saatmengen ähneln denen des Sommerweizens.
Pflege und Düngung
Weizen ist genügsam und benötigt nach der Aussaat wenig Pflege.
Düngung
Der vor der Aussaat eingearbeitete Kompost oder Mist versorgt die Pflanze ausreichend. Im Frühjahr kann bei Bedarf mit Fischdünger nachgedüngt werden, jedoch sollte Überdüngung mit Stickstoff vermieden werden, da dies zu Umknicken und Pilzkrankheiten führen kann.
Mulchen
Mulchen ist bei Weizen nicht zu empfehlen, da eine gute Luftzirkulation um die Halme wichtig ist. Fremdes Stroh kann zudem Krankheiten übertragen.
Bewässerung
Weizen benötigt zwischen 45 und 55 cm Wasser pro Jahr. Nach der Blüte reduziert sich der Wasserbedarf. Staunässe sollte vermieden werden, und Bewässerung bei Wind kann Stress für die Pflanzen verursachen.
Schutz vor Wild und Tieren
Insbesondere Hirsch und Weidetiere finden Weizen sehr schmackhaft. Deshalb empfiehlt sich ein Zaun oder ein geschützter Standort, um Beschädigungen zu vermeiden.
Probleme beim Weizenanbau und deren Lösung
Hessianfliege
Diese Schädlinge fressen die Stängel und beeinträchtigen die Nährstoffversorgung der Pflanze. Durch Fruchtwechsel, Vermeidung von Überdüngung und die Nutzung resistenter Sorten kann der Befall kontrolliert werden.
Pilzkrankheiten
Blattrost und Sprenkelkrankheit sind mögliche Pilzbefälle. Krankheiten werden durch resistente Sorten, Vermeidung von Überbewässerung und guter Belüftung reduziert.
Unkräuter
Unkräuter erschweren das Wachstum, da Weizen meist nicht in Reihen gepflanzt wird. Vorbeugend helfen Fruchtwechsel, Bodenbearbeitung oder eine Solarisierung zur Samenkeimungshemmung.
Vögel
Vögel fressen gerne frisch ausgesäte Samen. Ein Vlies zur Abdeckung des Saatbeets schützt bis zum Keimen.
Umknicken (Lodging)
Zu viel Stickstoff oder Wasser können das Umknicken der Ähren fördern, was Ernte erschwert und Krankheiten begünstigt.
Ernte und Nachbearbeitung
Erntezeitpunkt
Reifer Weizen zeigt sich durch gelb bis braun verfärbte Ähren, die sich herabhängen. Mit Werkzeugen wie einer Sense oder einfach mit einer Gartenschere werden die Halme geerntet, wobei die Ähren nicht beschädigt werden sollten.
Bündeln und Trocknen
Die Halme werden zu Bündeln von ca. 20 cm Umfang zusammengebunden und zum Trocknen aufgestellt. Die Trocknung erfolgt sonnig im Freien oder geschützt in Scheunen über circa zwei Wochen. Gut getrockneter Weizen ist hart und knusprig.
Dreschen
Die Trocknung erleichtert das manuelle Dreschen: Die Ährenbündel werden auf einem festen Untergrund ausgebreitet und mit einem Besenstil, Baseballschläger oder Holzstab bearbeitet, um die Körner zu lösen.
Winnowing (Reinigung)
Die Körner werden vom Spreu getrennt, indem man einen Ventilator einsetzt, der leichtere Bestandteile wegbläst. Es wird so lange wiederholt, bis nur noch reine Körner übrig sind.
Lagerung
Weizen sollte trocken, luftdicht und insektensicher in Glasgefäßen oder Plastikbehältern aufbewahrt werden. Kälte ist ideal, allerdings nicht immer möglich aufgrund begrenztem Gefrierschrankplatz. Weizen kann vor Einkammerkäfern mit lebensmittelsicherem Kieselgur geschützt werden. Kontrollieren Sie eingelagerten Weizen regelmäßig.
