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Wie Bodenmikroben unser Wohlbefinden steigern: Die positiven Effekte von Gartenarbeit
Gärtner sind stolz auf ihr Hobby und betonen immer wieder die vielfältigen Vorteile, die es mit sich bringt. Neben frischer Luft, Sonnenlicht und Bewegung berichten sie vor allem von weniger Stress und besserer Laune durch die Gartenarbeit.
Diese Beobachtungen bestätigen mittlerweile auch Wissenschaftler: Gartenarbeit kann tatsächlich gegen Depressionen helfen – und zwar dank spezieller, im Boden lebender Mikroorganismen mit antidepressiver Wirkung.
Im Boden lebt das Mycobacterium vaccae (M. vaccae), ein Bakterium, das im Gehirn die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin anregt – beides wichtige Neurotransmitter für unser Wohlbefinden.
Beim Gärtnern gelangen diese Mikroorganismen durch Hautkontakt und Einatmung in unseren Körper. Dort fördern sie die Stimmung, verringern Schmerzen und unterstützen das Immunsystem.
Dopamin beeinflusst unsere Gefühlswelt durch die Verarbeitung von Freude und Schmerz, während Serotonin die Stimmung, den Schlaf, das Sozialverhalten, die Libido und das Gedächtnis steuert. Ein Mangel an Serotonin wird mit Angstzuständen, Depressionen, bipolaren Störungen und Zwangserkrankungen in Verbindung gebracht.
Die im Boden enthaltenen Bakterien sind dabei völlig ungefährlich und bereits der Kontakt mit Erde kann ihre positiven Effekte entfalten.
Die Entdeckung dieser Wirkung war ein glücklicher Zufall: Im Jahr 2004 verwendete Dr. Mary O’Brien, Onkologin am Royal Marsden Hospital in London, das Bakterium M. vaccae, um das Immunsystem von Lungenkrebspatienten zu stärken.
Sie stellte fest, dass die Bakterien nicht nur das Immunsystem aktivierten, sondern auch Schmerzen linderten und das allgemeine Wohlbefinden der Patienten verbesserten. Dr. O’Brien berichtete, dass die Behandlung „die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhte“.
Neurobiologe Christopher Lowry von der Universität Bristol untersuchte die Wirkung von M. vaccae an Mäusen und stellte fest, dass geimpfte Tiere weniger ängstlich waren und besser in Verhaltenstests abschnitten.
Seiner Ansicht nach aktiviert M. vaccae die Neuronen, die für die Serotoninproduktion zuständig sind, sowie Zellen, die das Immunsystem beeinflussen.
Die Neurowissenschaftlerinnen Dorothy Matthews und Susan Jenks führten Studien mit Mäusen durch, deren Ergebnisse im „Behavioral Processes Journal“ veröffentlicht wurden. Sie vermuten, dass das Essen, Berühren und Einatmen von Bodenorganismen für die Entwicklung unseres Immunsystems und Nervensystems mitverantwortlich ist.
Nach ihrer Forschung zeigt die Verabreichung von M. vaccae, dass die Tiere weniger ängstlich sind und ihre kognitiven Fähigkeiten verbessert werden.
Matthews schlägt vor, dass „es sinnvoll sein könnte, Lernumgebungen in Schulen zu schaffen, die Zeit im Freien beinhalten, wo M. vaccae vorkommt. Dies könnte Angst reduzieren und das Lernen erleichtern.“
Professor Graham Rook vom University College London erklärt, dass unser Darm Trilliarden von Mikroben beherbergt, die sowohl genetisch als auch durch Lebensstil beeinflusst werden und den ganzen Körper steuern.
Er behauptet, dass ein Mangel an mikrobieller Vielfalt die Ursache für viele chronische Erkrankungen – einschließlich Depressionen – sein könnte. Diese Verbindung zwischen Gehirn und Darm erklärt den positiven Einfluss von Gartenarbeit auf unsere Psyche.
Unsere Vorfahren lebten über Jahrtausende in enger Verbindung mit Bakterien, Pilzen und Parasiten.
Emeran Mayer, Gastroenterologe und Neurowissenschaftler an der University of California-Los Angeles sowie Autor von „The Mind-Gut Connection“, erklärt:
„Wir haben vergessen, dass viele dieser Mikroorganismen für uns vorteilhaft waren. Zwar konnten sie Krankheiten auslösen, lebten aber meist in Symbiose mit uns. Viele dieser Organismen entwickelten sich gemeinsam mit dem Menschen und unseren tierischen Vorfahren. Dadurch entstand ein intelligenteres Immunsystem, das unseren eigenen Körper nicht angreift.“
Also: Raus an die frische Luft, einen Garten anlegen und die vielfältigen Vorteile der Gartenarbeit voll auskosten!
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