Oca anbauen: Alles über das Kultivieren und Ernten der vielseitigen Knolle
Haben Sie schon einmal von Oca gehört? Diese stärkehaltige Knolle aus den Anden ist nicht nur lecker, sondern auch eine interessante Alternative zur herkömmlichen Kartoffel. Ursprünglich in Bolivien und Peru beheimatet, gewinnt Oca auch außerhalb Südamerikas langsam an Beliebtheit und bietet Gartenfans eine spannende Bereicherung.
Was ist Oca?
Oca (Oxalis tuberosa) ist eine knollige Wurzelpflanze, die im Hochland der Anden gedeiht und nach der Kartoffel die zweitbeliebteste essbare Knolle in dieser Region ist. Sogenannte Spezialitätengeschäfte führen zunehmend diese geschmackvolle, wachsartige Knolle, um unseren kulinarischen Horizont zu erweitern.
Oca ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter „apilla“, „quiba“, „papa roja“ (rote Kartoffel), „timbo“, „uqa“ oder „hibias“. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wird sie auch in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland kultiviert und dort als Delikatesse geschätzt.
Anforderungen für den Anbau von Oca
Um Oca erfolgreich anzubauen und die charakteristischen Knollen auszubilden, benötigt die Pflanze besondere Bedingungen:
- Weniger als 12 Stunden Tageslicht – die Knollen entwickeln sich erst bei kürzeren Tagen und die Pflanze sollte zu diesem Zeitpunkt bereits gut ausgereift sein.
- Warme, konstante Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit sind ideal.
- Kein direktes, starkes Sonnenlicht – Oca ist empfindlich gegen Trockenheit und intensive Sonne.
- Gut durchlässiger Boden, um Staunässe und Fäulnis der Knollen zu vermeiden.
In kühleren Regionen oder Gegenden mit trockenerem Klima empfiehlt sich der Anbau in Gewächshäusern oder in Behältern, die sich bei Bedarf verschieben lassen. Für die Pflanzsubstrate eignen sich sandige, gut drainierende Erden, die mit reifem Kompost angereichert werden sollten, da Oca nährstoffhungrig ist.
Oca pflanzen und vermehrung
Der Anbau von Oca ähnelt stark dem der Kartoffel:
- Nach dem letzten Frost werden komplette Knollen einige Zentimeter tief in den Boden gesetzt.
- Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte etwa 30 cm betragen, da sie sich ausbreiten.
- Für die kommende Saison empfiehlt es sich, die größten und besten Knollen aufzubewahren, da größere Knollen schneller wachsen und ertragreicher sind.
Neben der Vermehrung durch Knollen können auch Triebe verwendet werden: Mit einer sauberen Gartenschere werden Stecklinge mit einigen Blättern abgeschnitten, in Wasser bewurzelt und dann wie Setzlinge eingepflanzt.
Ein Erdhügel um die Pflanzen kann den Ertrag steigern, allerdings brauchen Sie sich keine Sorgen um eine Grünfärbung der Knollen zu machen – Oca enthält kein Arsen und ist daher auch bei Lichteinfall unbedenklich.
Bewässerung und Ernährung
Ein absolutes Muss beim Oca-Anbau ist eine stets feuchte Erde. Trockenheit führt schnell zum Absterben der Pflanzen. Kontrollieren Sie den Boden regelmäßig und bewässern Sie bei Bedarf, besonders bei Hitze oder in trockenen Regionen.
Mulchen mit Stroh oder Rasenschnitt kann helfen, die Feuchtigkeit länger zu speichern und die Bodentemperatur angenehm zu halten – ein Plus für diese empfindlichen Knollen.
Da Oca viel Nährstoffe benötigt, sollten Sie den Boden während der Wachstumsphase mehrfach mit einem Dünger mit niedrigem Stickstoffanteil versorgen, um vor allem gesunde und volle Knollen zu fördern.
Schädlinge und Krankheiten bei Oca
Oca ist im Allgemeinen robust und wenig anfällig. Allerdings gibt es zwei Hauptprobleme, auf die Sie achten sollten:
1. Drahtwürmer
Drahtwürmer sind gefürchtete Schädlinge, die sich jahrelang im Boden halten und beim Befall Kämpfe erfordern. Effektive chemische Mittel sind selten, deshalb sollte man vorbeugend durch tiefes Umgraben im Herbst und vor dem Frühjahr versuchen, die Larven freizulegen, sodass natürliche Fressfeinde oder Frost sie dezimieren können.
Falls Drahtwürmer ausbrechen, können nützliche Nematoden eingesetzt werden. Befallene Pflanzen sollten ausgegraben und vernichtet werden.
2. Kleine Nager
Feldmäuse, Wühlmäuse und Streifenhörnchen lieben Oca-Knollen und können große Schäden anrichten. Pflanzen Sie daher Zwiebelgewächse wie Schnittlauch oder Zwiebeln als natürliche Abschreckung in die Nähe der Oca.
Auch das Ausstreuen von Raubtierkot (z.B. von Fuchs oder Katze) am Gartengrenzbereich kann Nager fernhalten.
Weitere Herausforderungen beim Oca-Anbau
Oca-Pflanzen sind frostempfindlich und sterben bei den ersten Minustemperaturen ab. Das erschwert die Kultivierung in kälteren Regionen und zwingt eventuell zum Anbau in Gewächshäusern. Zudem enthalten Oca-Knollen Oxalsäure, ähnlich wie Sauerampfer oder Spinat. Menschen mit Nierenproblemen oder Gicht sollten Oca daher meiden.
Ernte und Lagerung von Oca
Erntezeit ist nach dem ersten Frost, wenn das oberirdische Blattwerk abstirbt und die Stängel welken. Dann werden die Knollen vorsichtig ausgegraben.
Oca lässt sich äußerst leicht lagern: In einem kühlen, trockenen Keller in Sand oder Stroh halten sie sich mehrere Monate ohne Qualitätsverlust. Auch im Kühlschrank bleiben sie lange frisch, solange sie vor Licht geschützt sind.
Gekochte Oca-Knollen können wie Kartoffeln konserviert werden, z.B. durch Einkochen mit Druck – weil sie wenig Säure enthalten, ist ein Schnellkochtopf zur Konservierung notwendig.
Für die nächste Saison sollte der Boden mit Kompost, organischem Dünger oder Zwischenfrüchten regeneriert und eine Fruchtfolge eingeplant werden, um langfristig hohe Erträge zu sichern.
Fazit – Oca anbauen lohnt sich!
Ob als exotische Gartenpflanze oder spannende Alternative zur Kartoffel: Oca bietet einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität im Gemüsegarten und eine leckere Bereicherung für die Küche. Wer bereit ist, auf die besonderen Bedürfnisse der Knolle zu achten, wird mit einer ungewöhnlichen und vielseitigen Knolle belohnt.
