Alles, was Sie über das Saatgut-Einsparen wissen müssen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Der Sommer ist die aufregendste Zeit im Garten. Die kleinen Samen, die Sie zu Beginn der Saison ausgesät haben, wachsen heran und beginnen zu fruchten. Mit großer Freude sehen Sie, wie sich Ihre Arbeit auszahlt. Vielleicht haben Sie schon entdeckt, welche Pflanzen besonders gut in Ihrem Garten gedeihen – und fragen sich nun, wie Sie diesen Erfolg im nächsten Jahr wiederholen können. Das Einsparen von Saatgut ermöglicht es Ihnen, immer wieder identische Pflanzen zu erhalten und somit die besten Sorten selbst zu vermehren.
Unabhängig von Planung und Recherche wissen Sie erst nach dem Anbau, ob eine Sorte in Ihrem Garten wirklich gut wächst. Nach erfolgreichem Anbau möchten Sie das einmalige Ergebnis garantiert verlässlich reproduzieren können. Außerdem bietet das Saatgut-Einsparen die Möglichkeit, Ihre Pflanzen jedes Jahr zu verbessern, indem Sie immer Samen von besonders starken Exemplaren sammeln. So passen Sie Ihre Pflanzen langfristig perfekt an Ihre Bedürfnisse an – und sparen dabei bares Geld.
Wichtige Tipps zum Saatgut-Einsparen
- Verwenden Sie erbliche, offen bestäubte Pflanzen. Hybridsaatgut vererbt sich nicht sortenrein.
- Wählen Sie für die Saatgutsammlung nur gesunde, ertragreiche und schmackhafte Pflanzen aus.
- Sparen Sie nur Saatgut aus vollständig reifen, essbaren Früchten – unreife Samen keimen nicht gut.
- Trocknen Sie die Samen vor der Lagerung gründlich, um Schimmelbildung zu vermeiden.
- Lagern Sie das Saatgut richtig an einem kühlen, trockenen Ort hier mehr zur richtigen Saatgutlagerung.
- Beschriften Sie die Saatgutbehälter immer mit Pflanzensorte und Datum zur besseren Übersicht.
- In feuchten Gegenden hilft ein Silicagel-Päckchen zur Feuchtigkeitsaufnahme; jedoch nicht bei Hülsenfrüchten verwenden.
Praxisanleitung: Saatgut von verschiedenen Pflanzen richtig sammeln
Grundsätzlich bedeutet Saatgut-Einsparen: Saatgut von reifen Pflanzen ernten, trocknen, lagern und im nächsten Jahr wieder aussäen. Dabei verlangt jede Pflanze oftmals eine spezielle Behandlung. Im Folgenden finden Sie Tipps zu den gängigsten Gartenpflanzen.
Bohnen und Erbsen
Bohnen und Erbsen sind besonders anfängerfreundlich beim Saatgut-Einsparen. Die Samen sind leicht zu handhaben und bleiben lange keimfähig. Pflanzen Sie unterschiedliche Sorten mindestens 15 Fuß (ca. 4,5 Meter) auseinander, um unerwünschte Kreuzbestäubung zu vermeiden und sortenreines Saatgut zu sichern.
Lassen Sie die Schoten länger am Strauch, bis sie vollständig ausgereift sind und braun werden. Gesunde, besonders gut wachsende Pflanzen markieren Sie am besten, damit sie nicht aus Versehen schon zur Ernte entnommen werden. Reife Bohnen sollten beim Schütteln in der Schote klappern.
Ernten Sie die Schoten und trocknen Sie sie an einem trockenen, kühlen Ort (z.B. auf einem alten Fliegengitter). Nach ca. zwei Wochen können Sie die Samen aus den getrockneten Schoten herauslösen. Die Samen sind dann hart und unzerdrückbar. Bewahren Sie sie am besten in Weckgläsern oder Papiertüten auf. Bohnen-Saatgut bleibt 2–3 Jahre keimfähig.
Möhren
Möhrensamen erfordern besondere Vorsicht, da diese Pflanzen zweijährig sind: Im ersten Jahr wachsen sie, im zweiten Jahr bilden sie Samen aus. Das heißt, Sie müssen die Möhren über den Winter im Boden lassen. Schützen Sie die Pflanzen im Herbst mit Stroh- oder Mulchabdeckung, damit die Wurzeln nicht verfaulen.
Im zweiten Jahr treiben die Möhren Blüten. Sobald die Blütenköpfe braun und trocken sind, können Sie diese abschneiden und in eine Papiertüte geben. Lassen Sie die Samen darin zwei Wochen trocknen. Danach können Sie die Samen ausschütteln und die Blütenreste entfernen.
Das gleiche Verfahren eignet sich auch für andere Doldenblütler wie Petersilie, Pastinake, Fenchel, Koriander, Sellerie oder Dill. Möhrensamen sind bei richtiger Lagerung bis zu sechs Jahre keimfähig.
Salat
Salatsamen zu sammeln macht großen Spaß, erfordert aber eine feine Hand, da die Samen sehr klein sind. Wenn Salate zu blühen beginnen (« Schossen »), bilden sie oben in den Blüten weiße, filzige Samenstände – ähnlich wie beim Löwenzahn.
Um zu verhindern, dass die Samen überall verstreuen, können Sie Blüten mit sogenannten Blütenbeuteln abdecken oder die Blüten vorsichtig abbrechen und in eine Schüssel legen. Anschließend öffnen Sie die Samenhüllen und lassen die Samen herausfallen. Entfernen Sie möglichst Staub und Pflanzenteile.
Trocknen Sie die Samen zwei Wochen und lagern Sie sie in Papiertütchen. Salatsamen bleiben bis zu sechs Jahre keimfähig.
Kürbis und Kürbisgewächse (Squash)
Beim Einsparen von Kürbissamen ist eine sorgfältige Planung bereits beim Pflanzen wichtig, da Kürbisse stark kreuzbestäuben. Es gibt vier Kürbis-Familien: Winterkürbisse, Halloween-Kürbisse, Sommerkürbisse und Zierkürbisse (Gourds). Sie sollten nur eine Sorte pro Familie anbauen, um sortenreines Saatgut zu erhalten.
Falls Sie verschiedene Sorten in einer Familie anbauen, müssen Sie diese mindestens 250 Meter voneinander entfernt pflanzen, andernfalls sollten sie zeitlich versetzt blühen.
Ernten Sie große Früchte, die nicht mehr zum Essen geeignet sind und deren Schale hart wird. Winterkürbisse verändern leicht ihre Farbe. Legen Sie die geernteten Kürbisse an einen kühlen, trockenen Ort und lassen Sie sie drei Wochen nachreifen.
Öffnen Sie dann die Früchte, entnehmen die Samen und reinigen Sie sie gründlich von Fruchtfleisch-Resten unter fließendem Wasser (am besten mit einem groben Sieb). Anschließend trocknen Sie die Samen auf einem Sieb gut durch und lagern sie in Gläsern oder Papiertüten.
Diese Prozedur funktioniert auch für Melonen. Gespeicherte Kürbissamen bleiben bis zu sechs Jahre keimfähig.
Tomaten
Tomaten sind weltweit die beliebtesten Gartenfrüchte – und die Saatgutgewinnung von Tomaten ist einfach, wenn auch etwas klebrig. Pflanzen Sie verschiedene Sorten mindestens 4,5 Meter auseinander, um Kreuzbestäubungen zu vermeiden.
Schneiden Sie reife Tomaten auf und drücken Sie die Kerne mit dem Fruchtfleisch in eine Schale. Die Mischung fermentiert vor allem im warmen Sommerklima innerhalb weniger Tage; die guten Samen sinken zu Boden, während die Fruchtmasse oben schimmelt.
Nach Beginn der Schimmelbildung spülen Sie das Saatgut durch ein feines Sieb mit Wasser, um die schlechten Reste zu entfernen. Anschließend verteilen Sie die Samen auf einem Kaffeefilter oder saugfähigem Papier zum Trocknen für etwa eine Woche.
Lagerung erfolgt optimal in sauberen Weckgläsern oder Papiertütchen an einem kühlen, trockenen Ort. Tomatensaatgut bleibt bei richtiger Lagerung bis zu zehn Jahre keimfähig.
Weiterführende Ressourcen: Seed Savers Exchange
Sie möchten tiefer in die Welt des Saatgut-Einsparens eintauchen oder einer engagierten Gemeinschaft beitreten? Die Seed Savers Exchange bietet umfangreiche Informationsquellen sowie nützliche Hilfsmittel für Saatgutsammler, zum Beispiel Saatguttütchen und Blütenbeutel.
Fazit: Saatgut-Einsparen leicht gemacht
Das Sammeln von Saatgut in Ihrem Garten ist unkompliziert und äußerst lohnenswert. Sie bauen nicht nur Ihre eigenen Pflanzen sortenrein nach, sondern können mit jedem Jahr Ihr Pflanzenmaterial optimieren und an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Zudem fördert das Saatgut-Einsparen eine nachhaltige und kostengünstige Gartenpraxis, die Ihr Gartenjahr nach Jahr bereichert.
