Haferwicken Anbauen: Wie Sie diese hervorragende Zwischenfrucht pflanzen und pflegen
Im Herbst, wenn viele Gärtner ihre Beete ruhen lassen, säen einige Winterzwischenfrüchte aus, um den Boden zu verbessern. Haferwicken (Vicia villosa) mag zwar ein ungewöhnlicher Name sein, doch diese hübsche Pflanze ist tatsächlich eine fantastische Zwischenfrucht, die in der Nebensaison angebaut wird. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Haferwicken eine der besten Zwischenfrüchte sind, wie Sie sie richtig pflanzen, pflegen und wann die beste Zeit für die Aussaat ist.
Warum Haferwicken die ideale Zwischenfrucht ist
Eine gute Zwischenfrucht schützt den Boden vor Erosion, lockert den Boden und füllt Nährstoffe wieder auf. Haferwicken erfüllt all diese Aufgaben und unterdrückt zusätzlich Unkraut. Ob allein oder in Kombination mit Roggen angebaut, ist Haferwicke eine hervorragende Möglichkeit, den Stickstoffgehalt im Boden zu erhöhen.
Mein Interesse an Zwischenfrüchten wuchs, als mein Mann eine Ausbildung auf einem Bio-Bauernhof in Neuengland machte. Dort säte der Bauer jeden Herbst Roggen und Haferwicken aus und pflügte die Pflanzen nach dem Schneeschmelzen in den Boden ein. Diese Praxis schützt den Boden im Winter und verbessert ihn nachhaltig.
Was sind Zwischenfrüchte und warum sind sie wichtig?
Zwischenfrüchte werden außerhalb der Hauptanbauzeit gepflanzt, um den Boden zu schützen und zu verbessern. Sie verhindern, dass Wind, Regen und Schnee die Erde abtragen, und ersetzen Nährstoffe, die während der Vegetationsperiode entzogen wurden. Zudem können sie als Gründüngung eingesetzt werden, also als organisches Material, das in den Boden eingearbeitet wird, um ihn fruchtbarer zu machen.
Haferwicken gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler, zu denen auch Erdnüsse und Luzerne zählen. Viele Gärtner pflügen Haferwicken vor der Blüte unter, um eine unerwünschte Aussaat zu vermeiden. Doch gerade die wunderschöne violette Blüte ist nicht nur ein Hingucker, sondern bietet auch Bienen wertvolle Nahrung im Frühjahr nach dem langen Winter. Ein späteres Einarbeiten in den Boden ist daher durchaus sinnvoll.
Haferwicken aussäen – Schritt für Schritt Anleitung
- Boden vorbereiten: Entfernen Sie alle Pflanzenreste des Vorjahres, räumen Sie Laub weg und lockern Sie den Boden mit einer Hacke, einem Pflug oder einer Fräse auf.
- Bodenverbesserungen: Geben Sie bei Bedarf Holzasche vom letzten Jahr und gut verrotteten Kompostdünger hinzu, um den Boden nährstoffreicher zu machen, und lockern Sie alles gut durch.
- Aussaat: Säen Sie die Haferwicken Samen direkt nach der Bodenbearbeitung aus, damit die Samen schneller keimen als Unkräuter. Für 1000 Quadratfuß (etwa 93 Quadratmeter) benötigen Sie 1 bis 2 Pfund (ca. 0,45 bis 0,9 kg) Samen. Für kleinere Flächen eignen sich halbe oder viertel Pfund-Saatgut.
- Verteilung: Streuen Sie die Samen halbgleichmäßig über das Beet. Für größere Flächen empfiehlt sich die Aussaat in Reihen mit einem Sämaschinchen.
- Abdeckung: Bedecken Sie die Samen mit etwa einem halben Zentimeter Erde.
- Bewässerung: Gießen Sie das Beet gut an, so dass die Erde gut durchfeuchtet, aber keine Pfützen entstehen. Wiederholen Sie das Gießen nach kurzem Eindringen, um die optimale Feuchtigkeit zu gewährleisten.
- Kombination: Möchten Sie Haferwicken zusammen mit Roggen aussäen, mischen Sie die Samen vor der Aussaat, um ein gleichmäßiges Wachstum zu fördern.
Wann ist die beste Zeit für die Aussaat?
Da Haferwicken vor dem Winteranfang noch wachsen sollten, empfiehlt sich die Aussaat etwa 30 bis 40 Tage vor dem ersten erwarteten Frost. In gemäßigten Klimazonen ist dies meist Anfang September. Alternativ können Sie Haferwicken im Frühling für eine sommerliche Blüte oder im Juli als Tierfutter aussäen.
Selbst wenn Sie zu spät aussäen oder es überraschend früh Frost gibt, ist das kein Grund zur Sorge: Haferwicke ist winterhart bis zu Minus 30 Grad Celsius und keimt meist im Frühjahr dennoch zuverlässig.
Der ideale Boden für Haferwicken
Haferwicken gedeihen am besten in sandigen, gut durchlässigen Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0. Staunässe und schwere Lehm- oder Tonböden sind dagegen ungünstig. Ein heller bis halbschattiger Standort fördert das Wachstum, besonders wenn Sie im Herbst aussäen.
Pflege und Wachstum der Haferwicken
Die Haferwicke keimt schnell und wächst langsam im Herbst. Im Winter gedeiht sie oft unter einer Schneedecke weiter. Im Frühling schießt die Pflanze regelrecht empor und bildet lange Ranken, die sich bei gemeinsamer Aussaat mit Roggen an diesen festhalten und emporwinden können.
Für eine optimale Bodenverbesserung sollte die Haferwicken drei Wochen vor der nächsten Bepflanzung im Sommer abgeschnitten oder eingearbeitet werden. Viele Gärtner bevorzugen das Einarbeiten vor der Blüte, um eine unkontrollierte Aussaat zu verhindern. Wer jedoch die bezaubernden Blüten genießen möchte, kann auch bis nach der Blüte warten.
Schädlinge und Krankheiten bei Haferwicken
Blattläuse
Blattläuse sind auch bei Haferwicken gelegentlich ein Problem. Beobachten Sie die Blätter und sprühen Sie bei Befall insektizide Seife auf die Blattunterseiten. Für größere Flächen ist Neemöl als natürliche Schädlingsbekämpfung zu empfehlen, da es die Vermehrung der Blattläuse hemmt.
Schnecken und Nacktschnecken
Wie bei vielen Pflanzen können Schnecken und Nacktschnecken im feuchten Frühjahr zum Problem werden. Stellen Sie Bierfallen auf, indem Sie kleine Gefäße mit Bier eingegraben aufbauen. Die Tiere werden vom Biergeruch angelockt und darin ertrinken.
Wenn Sie Enten halten, können diese ebenfalls bei der Schneckenbekämpfung helfen, da sie diese gern fressen. Allerdings können Enten junge Haferwickenpflanzen auch anfressen. Daher sind Bierfallen im Herbst die sicherere Alternative.
Ernte und Nutzung von Haferwicken
Wenn das Wachstum der Haferwicken nach etwa zwei Monaten im Frühjahr abgeschlossen ist, schneiden Sie die Pflanzen am Boden ab und lassen die Ranken liegen. Die Pflanzen trocknen einige Tage und können dann in den Boden eingearbeitet werden.
Durch das Einarbeiten der abgestorbenen Pflanzen verbessert sich die Bodenstruktur nachhaltig. Die Folge ist eine bessere Drainage und eine langsame Freisetzung von Nährstoffen, die besonders stickstoffhungrige Kulturen wie Tomaten oder Mais freuen.
Darüber hinaus können Haferwicken als Futter für Ziegen, Kaninchen oder Hühner verwendet werden. Pferde und Rinder sollten sie jedoch nicht fressen.
Fazit: Haferwicken – eine vielseitige und pflegeleichte Zwischenfrucht
Haferwicken sind eine wertvolle Bereicherung für jeden Garten- oder Hofboden. Sie liefern wichtige Nährstoffe, schützen den Boden vor Wind und Wasser und bieten gleichzeitig Bienen im zeitigen Frühjahr Nahrung. Die Aussaat gelingt einfach, und mit wenigen Maßnahmen können Sie die Vorteile dieser vielseitigen Pflanze optimal nutzen. Probieren Sie Haferwicken als Zwischenfrucht aus und bereichern Sie Ihren Gartenboden nachhaltig und natürlich!
