Trockenfeldbau: Wie man in heißen, trockenen Klimazonen erfolgreich Lebensmittel anbaut
Das Gärtnern und Anbauen von Nahrung in heißen und trockenen Klimazonen kann eine große Herausforderung darstellen. Doch die traditionelle Anbaumethode des Trockenfeldbaus – auch bekannt als „Trockenlandwirtschaft“ – ermöglicht es seit Tausenden von Jahren, in ariden Gegenden Lebensmittel und Heilpflanzen erfolgreich zu kultivieren. In diesem Artikel erfahren Sie, was Trockenfeldbau genau ist, welche Vorteile und Einschränkungen diese nachhaltige Anbaumethode mit sich bringt und wie Sie Ihre eigenen Trockenfeldbauflächen anlegen können.
Was ist Trockenfeldbau?
Trockenfeldbau beschreibt eine Anbautechnik, die speziell für Regionen mit weniger als 75 cm (ca. 30 Zoll) jährlichem Niederschlag entwickelt wurde – ganz ohne zusätzliche Bewässerung. Diese Methode eignet sich besonders für Gebiete, die natürlich oder durch den Klimawandel geprägt sind und häufig unter Dürre leiden.
Beim Trockenfeldbau wird der natürliche Wassergehalt im Boden möglichst erhalten und optimal genutzt, indem Pflanzen angebaut werden, die an trockene Bedingungen angepasst sind. Dabei wird die Aussaat so terminiert, dass das Wachstum mit den saisonalen Niederschlagszyklen der jeweiligen Region harmoniert.
Geeignete Regionen für Trockenlandwirtschaft
- US-Bundesstaaten im Südwesten: Nevada, New Mexico, Arizona, Utah
- Saskatchewan, Kanada
- West- und Nordzentralmexiko
- Atacamaregion, Südamerika: Süd-Peru und Nord-Chile
- Spanien, Griechenland, Portugal, Malta, Süditalien
- Teile Russlands, der Ukraine und Bulgariens
- Weite Regionen im Nahen Osten und Nordafrika
- Viele Gebiete Australiens und Indiens
- Regionen in der Mongolei, Afghanistan und Kasachstan
Vorteile des Trockenfeldbaus
Trockenfeldbau bietet zahlreiche Vorteile, insbesondere in Böden mit hohem Tonanteil, die sonst für die Landwirtschaft als schwierig gelten. Diese Böden speichern Wasser gut, was häufig zu „nassen Füßen“ bei Pflanzen führt und zu Wurzelkrankheiten. Doch im Trockenfeldbau wird diese Eigenschaft genutzt, um der Pflanze auch dann noch ausreichend Feuchtigkeit zu bieten, wenn die oberste Bodenschicht bereits trocken ist.
Viele Hobby- und Profi-Gärtner berichten, dass trocken angebaute Früchte und Gemüse intensiver im Geschmack sowie nährstoffreicher sind. Ursache hierfür könnte das geringere Wassergehalt sein, welches die natürlichen Zucker und Aromastoffe konzentriert. Beispielsweise sind Melonen und Tomaten aus Trockenfeldbau zwar oft kleiner, dafür aber süßer, aromatischer und mit einer angenehmen Säure.
Nachteile und Herausforderungen
Wird Trockenlandwirtschaft nicht sorgfältig umgesetzt, können massive Schäden entstehen. Die Überbeanspruchung trockener Böden war beispielsweise eine der Ursachen für die Landwirtschaftskrise während der „Dust Bowl“ in den USA in den 1930er Jahren. Auch in jüngerer Zeit führten fehlgeleitete Methoden zu einer heftigen Staubsturmkatastrophe in Washington State 2009.
Da trockengebaute Ernten meist geringer ausfallen, sind die Marktpreise oft höher. Wer Lebensmittel für den Eigenbedarf anbaut, profitiert hiervon, kommerzielle Produzenten müssen jedoch die höheren Produktionskosten einkalkulieren.
So legen Sie Ihre Trockenfeldbauflächen an
Unkraut entfernen
Die erste Maßnahme ist die komplette Entfernung aller Unkräuter, da diese dem Boden wertvolle Feuchtigkeit und Nährstoffe entziehen. Die herausgezogenen Unkräuter können als Mulchauflage dienen, sofern sie keine Samen gebildet haben, denn so lockern sie den Boden und verbessern die Bodenfruchtbarkeit beim Zersetzen.
Kontur-Bunds erstellen zur Feuchtigkeitsbindung
Der Boden sollte regelmäßig gelockert werden, damit sich keine harte Kruste bildet und Regenwasser besser einsickern kann. Dabei legt man in regelmäßigen Abständen angehobene Erdwälle, sogenannte Kontur-Bunds, an, um den Wasserabfluss auf geneigten Flächen zu vermindern und Feuchtigkeit zu speichern.
Die Pflanzung erfolgt in den Zwischenräumen dieser Wälle, wo die Bodenfeuchte am höchsten ist. Wichtig: Pflanzen dürfen nicht entlang der Hangrichtung (vertikal) gesetzt werden, da dies Wasserverluste und Bodenerosion fördert.
Im Unterschied zur herkömmlichen Landwirtschaft werden brachliegende Flächen nicht mit Zwischenfrüchten bedeckt, da Wasser für die Hauptkulturen reserviert wird.
Pflanzabstand und Fruchtfolge
Bei Trockenfeldbau werden Pflanzen weiter auseinander gesetzt als üblich, damit ihre Wurzeln sich besser ausbreiten und tiefere Bodenschichten nach Wasser erschließen können. Wichtig ist zudem eine sorgfältige Fruchtfolge, um die Bodennährstoffe optimal zu nutzen und die Bodenqualität zu erhalten.
Beispielsweise verbessern stickstoffbindende Busch- oder Stangenbohnen den Boden für die folgende Kultur wie Melonen oder Okra.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Da Pflanzen beim Erreichen der Reifephase am meisten Wasser benötigen, sollten Sie die Aussaat so planen, dass die Ernte in die feuchteste Zeit des Jahres fällt. Je nach Region und Kultur kann das variieren.
Ein Beispiel aus Salt Lake City, Utah: Für das traditionelle „Drei Schwestern“-Anbausystem mit Mais, Bohnen und Kürbis empfiehlt sich die Pflanzung Mitte Juni, sodass die Pflanzen im September/Oktober bei maximaler Niederschlagsmenge reifen und vor dem ersten Frost Ende Oktober geerntet werden können.
Für weitere Informationen zu Wasserbedarf und optimaler Bewässerung empfiehlt sich die Informationsseite der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen.
Geeignete Pflanzen für Trockenfeldbau
Im Prinzip gedeihen Pflanzen am besten, die in trockenen Regionen heimisch sind. Erkundigen Sie sich nach lokalen, einheimischen Arten, um mit den natürlichen Zyklen besser arbeiten zu können. Ergänzend wählen Sie Pflanzen, die in ähnlichen ariden Zonen weltweit erfolgreich kultiviert werden.
Typische Kulturen für den Trockenfeldbau sind:
- Melonen
- Kürbisse (Sommer- und Winterkürbisse)
- Tomaten
- Scharfe Paprika
- Auberginen
- Okra
- Bohnen (Busch und Stangenbohnen)
- Amaranth
- Cashew
- Sonnenblumen
- Oliven
- Datteln
- Agaven
- Artischocken und Kardonen
- Feigen
- Mesquite
- Linsen
- Dürreresistente Kräuter wie Thymian, Oregano, Lavendel und Salbei
Fazit: Keine Angst vor Trockenfeldbau!
Trockenfeldbau mag anfangs herausfordernd erscheinen, ist jedoch eine bewährte Anbaumethode, die Menschen über Jahrtausende zuverlässig ernährt hat. Wichtig ist, die natürlichen Gegebenheiten Ihrer Region zu verstehen, die Landschaftslage sowie Bodenbeschaffenheit zu analysieren und die passende Pflanzenwahl zu treffen.
Falls Sie Zugang zu indigenem Wissen vor Ort haben, lohnt es sich, direkt von erfahrenen Ältesten zu lernen. Mit sorgfältiger Vorbereitung und Geduld können Sie mit Trockenfeldbaumethoden auch in trockenen Klimazonen erfolgreich ernten und Ihren eigenen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft leisten.
