Dünger für Gewächshauspflanzen: So überwindest du Nährstoffmängel effektiv
Die richtige Düngung im Gewächshaus ist entscheidend, um gesunde Pflanzen und optimale Erträge zu erzielen. Anders als im Außenbereich, wo Mulch, Kompost und organische Dünger wie Blutmehl oder Knochenmehl häufig ausreichen, benötigen Gewächshauspflanzen eine regelmäßige und gezielte Nährstoffversorgung. In diesem Artikel erfährst du die wichtigsten Herausforderungen bei der Düngung von Pflanzen im Gewächshaus sowie praxiserprobte Lösungen für ein erfolgreiches und nachhaltiges Pflanzenwachstum.
Wichtige Herausforderungen bei der Düngung von Gewächshauspflanzen
1. Pflanzen wachsen meist nicht in klassischer Erde
Im Gewächshaus wird oft nicht mit normaler Gartenerde gearbeitet, sondern mit speziellen Substratmischungen. Diese bestehen meist aus stabilen organischen Bestandteilen wie Torf, Kokosfasern (Coco Coir) oder teilverrotteter Rinde, kombiniert mit Zusätzen zur Belüftung wie Perlit, Vermiculit oder Sand. Kompost oder Blattmulch dienen dabei als Nährstoffquellen.
Diese Substrate sind anfangs ausgewogen, verändern sich jedoch im Laufe der Zeit durch Zersetzung und Nährstoffentzug durch die Pflanzen. Das beeinflusst den pH-Wert, wandelt Nährstoffe in weniger verfügbare Formen um oder kann sogar toxische Konzentrationen bestimmter Elemente verursachen.
Die Kenntnis deiner verwendeten Substratart und deren Einfluss auf die Nährstoffaufnahme ist daher unerlässlich.
Typische Substrate und ihre Nährstoffprobleme
- Torf: Zersetzung erhöht die Säure im Substrat, der pH-Wert sinkt. Dadurch werden Phosphor, Calcium und Magnesium weniger verfügbar, während Eisen, Mangan, Bor, Kupfer und Zink in giftigen Mengen auftreten können – insbesondere Eisen.
- Kokosfasern (Coco Coir): Der pH-Wert bleibt vergleichsweise stabil, jedoch binden Kokosfasern Calcium, Magnesium und Eisen, was deren Verfügbarkeit für Pflanzen einschränken kann. Calcium-Mangel zeigt sich durch Wuchsdepressionen, Magnesiummangel führt zu Chlorose und Eisenmangel kann ebenso Chlorose und verbrannte Blattspitzen verursachen. Zudem kann der hohe Salzgehalt von in Salzwasser verarbeiteten Kokosfasern zu toxischen Salzansammlungen führen.
- Rindensubstrate: Besonders bei säureliebenden Pflanzen wie Orchideen verwendet, besitzen von Natur aus niedrigen pH-Werte. Allerdings zersetzt sich Rinde schneller, was den pH-Wert erhöht und den Boden alkalisch macht, wodurch die Nährstoffaufnahme erschwert wird.
2. Pflanzen sind auf kontinuierliche Nährstoffversorgung angewiesen
Anders als Pflanzen im Freiland, die umfassende unterirdische Netzwerkstrukturen mit Mikroorganismen zur Nährstoffaufnahme bilden, sind Gewächshauspflanzen meist auf kleine Pflanzgefäße und ideale Bedingungen beschränkt. Das erschwert die Selbstversorgung mit Nährstoffen, weshalb sie regelmäßig wasserlöslichen Dünger benötigen.
3. Ganzjährige Kultivierung erfordert abgestimmte Düngezeiten
Im Winter verlangsamt sich die Aktivität von Bodenmikroorganismen durch niedrigere Temperaturen und geringere Lichtintensität deutlich. Das schmälert die Effektivität organischer Dünger bei gleichbleibendem Nährstoffbedarf einiger Pflanzen, insbesondere von Licht- und wärmeliebenden Arten wie Zitruspflanzen.
Effektive Lösungen zur Düngung von Gewächshauspflanzen
Lösung 1: Regelmäßig umtopfen (Pot Up)
Das häufige Umtopfen sorgt für frisches Substrat mit ausgewogenen Nährstoffverhältnissen und verhindert Überalterung und toxische Anreicherungen im Wurzelbereich. Besonders bei Jungpflanzen ist das Umtopfen in größere Töpfe oder Bodenblöcke sinnvoll, um die Pflanzengesundheit zu fördern.
Lösung 2: Oberflächenabdeckung (Top Dressing)
- Für Torfmischungen: Eine Kompost-Schicht stabilisiert den pH-Wert und verbessert die Nährstoffversorgung.
- Für Kokosfaser-Mischungen: Besonders Vermikompost als ergänzende Schicht verringert Nährstoffmängel.
- Für Rindensubstrate: Mulchen mit Rindenschnipseln und das Einarbeiten neuer Rinde helfen, pH-Schwankungen auszugleichen.
Lösung 3: Einsatz von Huminsäuren
Huminsäuren beeinflussen den pH-Wert kaum, verbessern jedoch nachweislich die Nährstoffaufnahme in verschiedensten Substraten. Die Anwendung von granulierten Huminsäuren bei der Pflanzung und in selbst hergestellten Komposttees unterstützt die Pflanzengesundheit vor allem bei neuen Blattentwicklungen.
Lösung 4: Flüssigdünger – der Schlüssel für Gewächshauspflanzen
Flüssigdünger sind besonders wirksam, da sie Nährstoffe in sofort verfügbaren Formen liefern. Die regelmäßige Gabe – idealerweise bei der Bewässerung – gewährleistet konstante Nährstoffversorgung.
Flüssigdüngerarten
- Allzweck-Synthetische Flüssigdünger: Weit verbreitet und günstig, können jedoch auf Dauer zu schädlichen Nährstoffüberschüssen führen. Für kurzfristige Kulturen durchaus geeignet.
- Zielgerichtete Synthetische Dünger: Spezielle Formulierungen für Gemüse, Blumen oder Zitruspflanzen bieten gezielte Nährstoffversorgung mit geringerem Risiko für Salztoxizität, erfordern aber oft eine bessere Planung und gelegentliches Ausspülen der Pflanzen.
- Organische Flüssigdünger: Erhältlich als Fertigmischungen mit Zusatz von Mykorrhiza und effektiven Mikroorganismen. Sie liefern sowohl sofort verfügbare als auch langzeitfreisetzende Nährstoffe, brauchen aber Mikroorganismen im Substrat, um wirksam zu sein.
- Hausgemachte organische Dünger: Komposttee und Ergänzungen wie Blutmehl oder Federmehl unterstützen die Nährstoffversorgung. Auch verdünnter Urin ist eine hervorragende unmittelbare Stickstoffquelle – allerdings nicht in den Komposttee geben, um pathogene Kontamination zu vermeiden.
Lösung 5: Strategische Düngung im Winter
Berücksichtige die unterschiedlichen Bedürfnisse deiner Pflanzen in der kalten Jahreszeit. Wärmebedürftige und wachstumsstarke Arten wie Zitronenbäume benötigen auch im Winter aktiv Nährstoffe, während robustere Pflanzen wie Olivenbäume weniger Düngung brauchen.
Bei organischer Düngung kann eine Kombination aus beheiztem Gewächshausboden und zusätzlicher Beleuchtung helfen, die Mikroorganismenaktivität aufrechtzuerhalten. Alternativ bieten synthetische Dünger auch im Winter zuverlässige Nährstoffversorgung bei niedrigen Temperaturen und geringer Photosynthese.
Zusammenfassung: Erfolgreich düngen im Gewächshaus
Die Düngung von Gewächshauspflanzen unterscheidet sich grundlegend von der im Freiland. Hier bist du gewissermaßen der „Elternteil“ deiner Pflanzen, die völlig auf deine Versorgung angewiesen sind. Ein gutes Verständnis der Substratzusammensetzung, eine Kombination aus regelmäßigem Umtopfen, gezieltem Flüssigdünger und organischen Zusätzen sowie eine angepasste Düngeplanung – auch im Winter – bilden die Grundlage für gesundes, kräftiges Pflanzenwachstum und reichhaltige Ernteerträge in deinem Gewächshaus.
