25 mittelalterliche Gemüse und Kräuter zum Selberanbauen

25 Mittelalterliche Gemüse und Kräuter zum Selber-Anbauen im Garten

Wenn man an mittelalterliche Ernährung denkt, kommen einem oft royale Bankette oder armselige Bauerngerichte in den Sinn. Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus: Bereits im Mittelalter gab es eine erstaunlich vielfältige Ernährung, die heute nachgeahmt werden kann, um mehr Abwechslung und Gesundheit in Küche und Garten zu bringen. Ob Sie Mitglied einer historischen Gruppe sind oder einfach nur etwas Neues ausprobieren möchten – hier entdecken Sie 25 mittelalterliche Gemüse- und Kräutersorten, die in Ihrem eigenen Garten gedeihen können.

Mittelalterliche Ernährung: Mehr als nur Kraut und Rüben

Das Bild, mittelalterliches Essen sei fade und beschränkt auf Kohl und Rüben gewesen, ist eine Legende. Tatsächlich war die Nahrungssaison sehr vielfältig, mit einem reichen Angebot an regionalen und importierten Samen aus Europa, dem Nahen Osten, Nordafrika und Asien dank Handelsrouten wie der Seidenstraße.

Obwohl Fleisch und Fisch je nach sozialer Stellung seltener auf dem Tisch standen, spielten Gemüse und Kräuter eine zentrale Rolle in der Ernährung aller Bevölkerungsschichten. Viele der aufgeführten Pflanzen sind auch heutzutage noch bekannt, manche sind jedoch selten und verdienen ein Comeback in Ihrem Garten.

25 Mittelalterliche Gemüse und ihre Anbau-Tipps

1. Mauerpfeffer (Atriplex hortensis)

Dieses prachtvolle krautige Gemüse war im Mittelalter weit verbreitet. Es ist verwandt mit Mangold und besitzt einen ähnlichen Geschmack, ist aber noch robuster. Anbau bis spät in den Herbst möglich, die Pflanze wird nach Frost süßer. Erhältlich in roten, purpurfarbenen und limonengrünen Sorten.

2. Liebstöckel (Levisticum)

Dieses mehrjährige Kraut erinnert geschmacklich an Sellerie und bietet vielseitige Nutzungsmöglichkeiten: Blätter roh, Wurzeln in Suppen oder Eintöpfen, Samen als Gewürz. Ein unverzichtbares Kraut für den mittelalterlichen Garten.

3. Kardone (Cynara cardunculus)

Die „Artischocken-Distel“ stammt aus dem Mittelmeerraum und ist in vielen Ländern wie Marokko und Griechenland seit Tausenden von Jahren ein Grundnahrungsmittel. Die Stängel und Blütenknospen sind schmackhaft. Benötigt kühleren Anbau und gut durchlässigen, nährstoffreichen Boden.

4. Aubergine (Solanum melongena)

Obwohl Sie überrascht sein mögen, war die Aubergine ein beliebtes Gemüse. Herkunft aus Indien oder China, gelangte sie im 6. Jahrhundert nach Europa. Für historische Authentizität eignen sich Erbstücksaatgut wie taiwanesische oder spanische Sorten. Braucht viel Sonne und nährstoffreiche, gut drainierte Erde.

5. Schwarzwurzel (Tragopogon porrifolius)

Dieses Wurzelgemüse schmeckt wie eine Mischung aus Steckrübe und Austern – ungewöhnlich, aber köstlich. Braucht tiefgründigen, sonnigen Standort und reichhaltigen Boden. Eine tolle Ergänzung zum mittelalterlichen Gemüsebeet.

6. Möhre (Daucus carota subsp. sativus) – violett oder rot

Vor der Einführung der orangefarbenen Möhren gab es eher violette, rote und gelbe Varianten. Wurzeln brauchen lockeren, sandigen Boden und ausreichend Tiefe bei Kulturen in Gefäßen. Auch die Möhrengrün-Blätter sind essbar und wurden genutzt.

7. Good King Henry (Chenopodium bonus-henricus)

Ähnlich wie Spinat oder Mangold, war diese mehrjährige Pflanze bis ins 17. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel. Die Samen benötigen Kaltkeimung und sind schwierig in der Anzucht, gedeiht am besten bei kühler Witterung im Halbschatten.

8. Alexandriner (Smyrnium olusatrum)

Ein zweijähriges mediterranes Kraut, das von den Römern nach Europa gebracht wurde. Toleriert keine starke Kälte, wächst am besten an sonnigen bis halbschattigen, leicht sandigen Plätzen und schmeckt etwas bitter ähnlich wie Rapini.

9. Kohl (verschiedene Brassica oleracea Kultivare)

Kohl war überall verbreitet und vielseitig verwendbar – von Suppen über Wickel bis hin zu gebratenen oder gefüllten Gerichten. Wächst am besten im Halbschatten, wird nach Frost süßer und kann bis in den Winter geerntet werden.

10. Dicke Bohnen (Vicia faba)

Diese breiten, fleischigen Bohnen wurden oft in Eintöpfen genutzt oder als Füllung verarbeitet. Wachsen am besten in feuchtem, nährstoffreichem Boden mit viel Sonne, schützen Sie sie vor starkem Wind. Ideal als kühle Herbstkultur.

11. Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Eine der ältesten bekannten Blattgemüsesorten, scharf und vitaminreich. Wächst hervorragend in feuchten oder sumpfigen Bereichen, etwa an Teichen oder Bachläufen. Schwerer Boden kann mit kalium- und phosphorhaltigem Dünger verbessert werden.

12. Fenchel (Foeniculum vulgare)

Alle Teile des Fenchels sind genießbar, vom Knollenfleisch über das aromatische Kraut bis zu den Samen. Liebt sonnige und gut drainierte, leicht saure Böden. Fenchel ist mehrjährig in milden Klimazonen und selbstständig in kühleren Regionen.

13. Portulak (Portulaca oleracea)

Ein oft als Unkraut betrachteter, aber leckerer Salat- und Krautsalatbestandteil. Liebt armen Boden und gedeiht auch dort prächtig. Ideal zum rohen Verzehr, beispielsweise in Taboulé. Kochen wird nicht empfohlen, da er dann schleimig wird.

14. Sommer-Lauch (Allium ampeloprasum – historische Sorten)

Im Mittelalter verbreitet und vielseitig verwendbar. Steht gern sonnig und wächst gut in nährstoffreicher, lockerer Erde. Perfekt zum Würzen von Suppen und Eintöpfen.

15. Lorbeer (Laurus nobilis)

Ein immergrüner Strauch, der besonders in wärmeren Regionen gedeiht (Zone 8-11). Die Blätter werden oft zum Würzen von Suppen und Eintöpfen verwendet, sollten aber nicht gegessen werden, da sie Magenbeschwerden auslösen können.

16. Engelwurz (Angelica officinalis)

Eine von Wikingern und Angelsachsen geschätzte Pflanze, deren Wurzeln, Stängel und Blätter für verschiedenste Speisen genutzt wurden. Benötigt humosen, gut drainierten Boden und wächst am besten im Halbschatten.

17. Majoran (Origanum majorana)

Beliebtes mediterranes Kraut mit süßlicher Note. Wächst am besten sonnig und in gut durchlässigem Boden, kann invasiv sein und sollte daher in Töpfen kultiviert werden, wenn der Platz begrenzt ist. Toll als Tee- oder Würzkraut.

18. Kostmarie (Tanacetum balsamita)

Auch „Alecost“ genannt und im Mittelalter zum Bierbrauen benutzt. Stark im Geschmack, deshalb sparsam verwenden. Schwierig aus Samen zu ziehen, empfiehlt sich der Kauf eines etablierten Setzlings.

19. Petersilie (Petroselinum crispum)

Ein universelles Kraut des Mittelalters, das sowohl roh als auch gekocht verwendet wurde – zum Würzen von Fisch, Geflügel oder als Atemerfrischer. Bevorzugt nährstoffreiche Böden und halbschattige bis sonnige Standorte.

20. Kerbel (Anthriscus cerefolium)

Ein feines Kraut mit Anklängen von Basilikum und Anis, ideal für Eiergerichte, Suppen und Gemüse. Keimt am besten direkt an schattigen, kühlen Plätzen, da es sonst schnell in Blüte geht.

21. Bohnenkraut (Satureja spp.)

Es gibt Sommer- und Winter-Bohnenkraut, das jeweils alsjährig bzw. mehrjährig wächst. Würzt besonders Hülsenfrüchte und Gemüseeintöpfe. Liebt sonnige Standorte und lockeren Boden.

22. Dill (Anethum graveolens)

Beliebt zum Einlegen und in nordischen und slawischen Rezepten. Wird leicht ausgesät und gedeiht am besten in lockerer Erde mit Sonne und Schatten. Perfekter Begleiter für Kohlgewächse.

23. Salbei (Salvia officinalis)

Ein sehr altes Heil- und Würzkraut, das bei vielen herzhaften Gerichten eingesetzt wird und auch zur aromatischen Verfeinerung von Wein dient. Braucht viel Sonne und sandigen, gut drainierten Boden.

24. Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Dieser mediterrane Strauch verleiht Brot, Fleisch und Gemüsegerichte einen unverwechselbaren Geschmack. Wächst am besten in trockenem, warmem Klima und wird in kälteren Regionen am besten im Topf gezogen und überwintert.

25. Estragon (Artemisia dracunculus)

Mit seinem Geschmack aus Zitrone, Pfeffer und Anis verfeinert Estragon Geflügel und Suppen sowie den klassischen mittelalterlichen Eintopf „Pottage“. Benötigt tiefgründigen, humosen und feuchten Boden.

Tipps für einen authentischen mittelalterlichen Gemüsegarten

Um das Flair eines mittelalterlichen Gartens zu unterstreichen, verwenden Sie einfache Baumaterialien wie Zweige für Rankhilfen statt moderner Metallgestelle. Kräuter lassen sich in dekorativen Formen schneiden, und Körbe sind nicht nur praktisch, sondern auch typisch für die Ernte dieser Zeit. Solche Details lassen den Garten lebendig und historisch wirken.

Fazit

Der Anbau mittelalterlicher Gemüse und Kräuter bringt nicht nur historische Vielfalt auf Ihren Teller, sondern auch spannende Herausforderungen und schöne Gartenmomente. Viele dieser Pflanzen sind robust, haben interessante Geschmacksnoten und erweitern Ihr kulinarisches Repertoire auf vielfache Weise. Probieren Sie es aus und verwandeln Sie Ihren Garten in eine lebendige Zeitreise!

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