Obstbäume schneiden: Wie man Äpfel, Pflaumen, Birnen, Kirschen und mehr richtig schneidet

Obstbäume richtig schneiden: Der ultimative Guide zum Beschneiden von Apfel-, Pflaumen-, Birnen-, Kirsch- und anderen Obstbäumen

Das Beschneiden von Obstbäumen kann zu Beginn einschüchternd wirken. Schließlich wird an den Ästen geschnitten – was, wenn dabei etwas schiefgeht und der Baum dauerhaft Schaden nimmt? Doch mit dem richtigen Wissen ist das Baumschneiden einfach und bereitet deinem Obstbaum die optimale Grundlage für gesunden Wuchs und reiche Ernte.

Warum ist das Schneiden von Obstbäumen notwendig?

Viele stellen sich die Frage, ob das Schneiden wirklich nötig ist. Die Antwort lautet: Ja! Durch das Beschneiden regulierst du das Wachstum, steigerst den Ertrag, erhältst die Gesundheit des Baumes und verbesserst Größe sowie Geschmack der Früchte.

Ein nicht geschnittener Baum investiert seine Energie meist in Wachstum in die Höhe und Breite, anstatt große und schmackhafte Früchte zu produzieren. Außerdem sollte der Baum nicht zu hoch werden, damit die Ernte einfach bleibt.

Gezieltes Schneiden lenkt die Kraft des Baumes auf die Fruchtbildung, fördert die Belichtung der Äste mit Sonnenlicht und verbessert die Luftzirkulation. Beides ist wichtig, um Schädlinge und Krankheiten vorzubeugen. Manche Obstbaumarten bilden außerdem nur an neuem Holz Früchte, weshalb regelmäßiger Schnitt das Wachstum neuer Äste anregt und somit den Ertrag erhöht.

Beliebte Formen beim Schneiden von Obstbäumen

Für den Anfang empfiehlt es sich, eine häufig genutzte Baumform als Grundlage zu wählen. Jede Art hat ihre Vorteile, und welche Form sich am besten eignet, hängt auch vom natürlichen Wuchs deines Baumes ab.

Zentraler Leittrieb (Kegelform)

Diese Pyramidenform zeichnet sich durch einen zentralen Leittrieb aus, von dem alle Hauptzweige ausgehen. Sie lässt den Baum allerdings etwas hoch wachsen, gilt aber als robust und sehr produktiv.

Besonders gut geeignet ist diese Form für Birnen-, Apfel-, Pecan- und Persimmonbäume.

Offenes Zentrum (Vasenform)

Hier fehlt der zentrale Leittrieb, was dafür sorgt, dass viel Luft und Licht bis ins Bauminnere dringt. Die Äste sind allerdings meist weniger stabil ohne den Haupttrieb.

Die offene Form hält die Bäume kompakt und eignet sich hervorragend für Kirsch-, Feigen-, Oliven- und Pflaumenbäume.

Modifizierter Zentralleiter

Diese Form kombiniert den zentralen Leittrieb mit einem offenen oberen Bereich. Der Leittrieb bleibt erhalten, wird jedoch oben abgeschnitten, um mehr Licht und Luft hereinzulassen. Diese stabile und gleichzeitig übersichtliche Form funktioniert für fast alle Obstpflanzen gut.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Schneiden?

Optimal ist die Zeit der Winterruhe, also Spätherbst, Winter oder ganz frühes Frühjahr. Beim Winterschnitt sollte die Temperatur möglichst über dem Gefrierpunkt liegen.

Für die meisten Obstbäume ist der frühe Frühling ideal, direkt bevor der Austrieb beginnt und noch keine Blätter oder Blütenknospen geöffnet sind. So werden die Bäume minimal belastet und können gut in die Wachstumssaison starten.

Eine Ausnahme bilden Süßkirschen und Pflaumen: Diese sind anfällig für Pilzkrankheiten. Kirschen schneidet man besser während der Vegetationsperiode, wenn es warm und trocken ist. Pflaumen sollten im Winter oder Sommer beschnitten werden, um den Befall durch den „Silberschäden“-Pilz (Chondrostereum purpureum) zu minimieren.

Die 3 « D » des Obstbaumschnitts: Krankheit, Schaden und Tod

Beim Schneiden solltest du immer die sogenannten 3 „D“ beachten, die du entfernt haben solltest:

  • Krank: Befallene Äste können Krankheiten auf den ganzen Baum und sogar den gesamten Obstgarten übertragen. Diese Äste sollten stets entfernt und sicher entsorgt oder verbrannt werden.
  • Beschädigt: Schäden am Ast können je nach Ausmaß reparabel sein. Meist muss der ganze Zweig entfernt werden, wenn der Schaden groß ist.
  • Tot: Tote Äste bringen keine Früchte, stören das Wachstum und sind oft Nistplatz für Schädlinge oder Krankheiten. Entferne sie deshalb unbedingt.

Ein optionales viertes „D“ steht für deformierte Äste – das sind Äste, die sich berühren, in ungünstigen Winkeln wachsen oder merkwürdige Formen haben, die auf Krankheiten hindeuten könnten.

Struktureller Schnitt: Baumform erhalten und stärken

Nachdem die offensichtlichen „D“-Äste entfernt sind, geht es darum, die Baumkrone zu öffnen und gesundes Wachstum anzuregen.

  • Prüfe, ob Äste sich berühren und aneinander reiben – diese Reibung beschädigt die Rinde und macht den Baum anfällig für Schädlinge. Schneide einen der sich reibenden Äste weg.
  • Entferne Äste, die aus einer zu engen Gabel („V-Form“) wachsen, da diese bruchgefährdet sind.
  • Halte die gewünschte Baumform – ob zentraler Leittrieb oder offene Vase – im Auge und bring sie gegebenenfalls zurück.
  • Entferne waagerechte Wassertriebe, die unproduktiv und schwach sind.
  • Schneide Äste, die das Licht und die Luft im Inneren der Krone blockieren.
  • Fördere horizontale Äste, da diese stabiler sind und mehr Früchte tragen als senkrechte.

Zum Formen verwendet man zwei Schnittarten:

  • Kopfschnitt (Heading Cut): Schneide das Ende eines Astes hinter einem Blattknoten ab, um Verzweigungen und buschigeres Wachstum zu fördern.
  • Dünnschnitt (Thinning Cut): Entferne ganze Äste zurück an den nächsten Ast, Stamm oder Knospe, um die Krone zu lichten.

Düngung nach dem Schnitt: Unterstützung für den Baum

Schneidet man stark zurück, verändert sich das Verhältnis von Wurzeln zu Ästen, was Stress für den Baum bedeutet. Nach einem starken Schnitt sollte die Düngung mit Vorsicht erfolgen, da üppige Düngergaben verstärktes Wachstum fördern, aber die Fruchtbildung verringern.

In solchen Fällen ist es empfehlenswert, den Baum eine Saison ruhen zu lassen und bestenfalls mit Kompost zu mulchen statt zu düngen.

Bei leichten oder normalen Schnittmaßnahmen kannst du im Frühling regulär mit einem guten Obstbaum-Dünger düngen und dich über eine erfolgreiche Ernte freuen.

Anleitung zum richtigen Schneiden von Obstbäumen

Vor Beginn sollten die Werkzeuge – vor allem die Gartenschere – scharf und sauber sein, um saubere Schnitte zu gewährleisten und die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.

Reinige die Schneidewerkzeuge vor jedem neuen Baum mit Isopropylalkohol oder einer 10%-igen Bleichlösung, besonders wenn du kranke Äste entfernt hast.

Nach dem Schneiden solltest du das Schnittmaterial zwingend aus dem Garten entfernen und wenn möglich verbrennen, um eine Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Schneide niemals mehr als ein Drittel der Gesamtbaumkrone auf einmal ab. Sonst solltest du die Arbeit auf mehrere Jahre verteilen, um eine Überlastung des Baumes zu vermeiden.

Beim Entfernen eines Astes solltest du möglichst nah am sogenannten Astkragen, der Verdickung am Übergang zum Stamm, schneiden. Das fördert die bessere Wundheilung und verhindert, dass Totholz als Stumpf stehen bleibt und krank wird.

Arbeite ruhig und gezielt: „Zweimal messen, einmal schneiden“ ist hier die Devise. Ein zügiger Schnitt ohne Zögern sorgt für saubere Ergebnisse und Gesundheit des Baumes.

Fazit: Gesunder Obstbaumschnitt für reiche Ernte

Das regelmäßige Beschneiden deiner Obstbäume ist der Schlüssel für gesunde, fruchtbare Bäume. Mit einem klaren Plan, den 3 „D“ als Grundsätzen und der passenden Schnitttechnik erhältst du eine offene, gut belichtete Baumkrone und verbesserst sowohl Qualität als auch Quantität deiner Früchte.

Beachte die richtigen Zeitpunkte und unterstütze deine Bäume durch kluge Düngegaben. So kannst du dich Jahr für Jahr an einer reichen und leckeren Obsternte erfreuen.

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